Strassennamen: Prominent, tot und einsam sind gute Voraussetzungen
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StrassennamenProminent, tot und einsam sind gute Voraussetzungen

Roger Federer hat in Basel vorerst Pech, Sigi von Koeding könnte Glück haben: Einen eigenen Strassennamen zu bekommen, ist eine besondere Ehre und gar nicht so schwer.

Sie wollten schon immer, dass eine Strasse nach Ihnen benannt wird? Ganz so schwer ist das nicht, dazu sollten Sie aber zumindest prominent sein. Und geniessen können Sie die Einweihung dann auch nicht – in Basel zumindest.

Zuständig für die Benennung von Strassen ist dort die Basler Nomenklaturkommission. Vorschläge für Strassennamen einreichen darf dort «jeder und jede», gibt Paul Haffner, der Präsident der Kommission, Auskunft. Alle eingehenden Vorschläge werden von der Kommission geprüft. «Egal, wer sie einreicht, ein Maurer oder ein Regierungsrat», so Haffner. Auch die Anzahl der Vorschläge spielt keine Rolle. Allerdings gibt es einige Regeln zu beachten.

Keine Strassennamen für Lebende

Gute Chancen auf einen eigenen Strassennamen haben natürlich Prominente. Einfach eine Strasse umzubenennen, das geht aber nicht einmal bei Roger Federer. «Der wird in jedem Jahr mindestens einmal vorgeschlagen», sagt Haffner.

Eine «Roger-Federer-Allee» wird es aber in Basel noch längere Zeit nicht geben. Das liegt an Regel Nummer eins: Lebende Personen werden in Basel nicht mit Strassennamen geehrt.

Chancen hätte jedoch eine «Sigi-von-Koeding-Promenade». Sigi von Koeding, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Dare, ist ein bekannter Graffitikünstler und 2010 verstorben. Die Basler Sprayer-Community hat vorgeschlagen, die Galgenhügel-Promenade nach ihm umzubenennen.

Das Problem mit der Adresse

Viele neue Strassen gibt es in Basel nicht. Bleibt also nur die Umbenennung schon bestehender. Aus der Sicht von Anwohnern, Ämtern, Kunden, Versicherungen, Banken und Bekannten zügelt dabei ein ganzer Strassenzug an eine neue Adresse um.

Ein Riesenaufwand und Regel Nummer zwei: «Wir vermeiden Umbenennungen, wenn wir können», sagt Haffner. Roger Federer hätte da ein weiteres Problem: Wer will schon, dass ein menschenleerer Strassenzug nach ihm benannt wird? Bei der Galgenhügel-Promenade wäre das weniger schlimm – dort gibt es keine Anwohner.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Die Nomenklaturkommission achtet, drittens, auf historische Bezüge. Wer wissen will, wie die Basler Strassen zu ihrem Namen gekommen sind, kann das auf dem Geoportal der Stadt Basel unter dem Thema «Basler Strassennamen» nachschauen.

Die Galgenhügel-Promenade, erfährt man dort, ist benannt nach der einstigen Haupthinrichtungsstätte der Stadt Basel – damals ein verruchter Ort. Durchaus erinnerungswürdig: Als der Hinrichtungsplatz 1823 aufgehoben wurde, musste den Handwerkern, die mit dem Abbau beschäftigt waren, versichert werden, dass sie dadurch keinen Schaden an ihrem guten Ruf erleiden würden.

Ungefähr Gleichstand zwischen Geschichte und Gegenwart herrscht im Beispiel bei Regel Nummer vier, «örtlicher Bezug». Sigi von Koeding kann es zwar nicht mit einem historischen Galgen aufnehmen, die Galgenhügel-Promenade aber ist die grösste Galerie der Graffitikunst in Basel, wo sich ausser Dares Kunstwerken noch viele andere Wandbemalungen befinden.

Nur eines geht nicht: kaufen

Eines aber geht auf keinen Fall: Strassennamen kaufen kann man nicht. In diesem Fall ist «Nein!» die gleichermassen eindeutige wie endgültige Antwort der Nomenklaturkommission.

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