Klartext am Weltfrauentag – Tiktokerin Lina Senn hat es satt, auf ihr Äusseres reduziert zu werden

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Klartext am WeltfrauentagTiktokerin Lina Senn hat es satt, auf ihr Äusseres reduziert zu werden

Am Dienstag ist der Internationale Tag der Frau, an dem sich für Gleichberechtigung eingesetzt wird. Auch prominente Schweizerinnen erzählen, was sie stört und was sich ändern muss. 

von
Toni Rajic
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Moderatorin Alexandra Maurer (39) ist seit dem Sommer letzten Jahres verheiratet und Mutter einer Tochter. Fragen über Karriere und Kind findet sie nicht mehr zeitgemäss.

Moderatorin Alexandra Maurer (39) ist seit dem Sommer letzten Jahres verheiratet und Mutter einer Tochter. Fragen über Karriere und Kind findet sie nicht mehr zeitgemäss.

Instagram/alexandramaurer
Die Moderatorin und Reality-TV-Darstellerin Adela Smajic (29) stört sich daran, dass sie häufig auf ihr Äusseres reduziert wird. Doch die Baslerin hat Verständnis und versucht, mit Argumenten entgegenzuwirken.

Die Moderatorin und Reality-TV-Darstellerin Adela Smajic (29) stört sich daran, dass sie häufig auf ihr Äusseres reduziert wird. Doch die Baslerin hat Verständnis und versucht, mit Argumenten entgegenzuwirken.

Instagram/adela.smajic
Dass ein neuer Kleidungsstil derart viel ändern kann, hätte Sängerin Tina Umbricht (23) nie zu glauben gewagt. Sie kleidet sich im Tomboy-Stil und kann seither öfter mit Männern auf Augenhöhe sprechen.

Dass ein neuer Kleidungsstil derart viel ändern kann, hätte Sängerin Tina Umbricht (23) nie zu glauben gewagt. Sie kleidet sich im Tomboy-Stil und kann seither öfter mit Männern auf Augenhöhe sprechen.

Instagram/tinaumbricht

Darum gehts

  • Im Rahmen des Weltfrauentags setzen sich Betroffene am 8. März abermals für Gleichberechtigung, Respekt und gegen Diskriminierung ein. 

  • Auch prominente Schweizerinnen nutzen ihre Stimme, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. 

  • «Es erschreckt mich noch immer, wie sehr die klassischen Rollenbilder in den Köpfen verankert sind», sagt etwa Moderatorin Alexandra Maurer. 

  • Sängerin Tina Umbricht ihrerseits hat «keinen Bock mehr auf dumme Kommentare bei freizügigen Kleidern» und auch Influencerin Lina Senn hat es satt, «auf ihr Äusseres reduziert» zu werden. 

Obwohl Frauen seit Jahrhunderten für das Ende des Patriarchats kämpfen, gibt es offenbar noch Handlungsbedarf: Jahr für Jahr bäumen sich Betroffene am Weltfrauentag am 8. März auf, um ihre Stimme zu erheben und sich gemeinsam für mehr Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einzusetzen. Auch zahlreiche prominente Schweizerinnen nutzen den Tag, um Klartext zu reden.


Alexandra Maurer (39), Moderatorin:
«Veraltete Rollenbilder machen mich fassungslos»

«Es erschreckt mich noch immer, wie sehr die klassischen Rollenbilder in den Köpfen verankert sind. Ich muss mir noch immer anhören, wie ich es schaffe, ‹Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen›. Das sind Fragen, welche Männern nie gestellt werden. Statt mich aufzuregen, reagiere ich inzwischen einfach mit einem Lächeln und weise die Personen darauf hin, ohne die Situation weiter zu kommentieren. Es ist aber wichtig, dass das Bewusstsein geschaffen wird, dass die Prioritätensetzung der Frau nicht ausschlaggebend für ihre Karrieremöglichkeiten ist. Nur weil sie nach der Arbeit lieber zu ihrer Familie nach Hause gehen möchte, statt mit Kolleginnen und Kollegen bei einem Apéro anzustossen, dürfen sich ihre Chancen auf eine Führungsposition nicht mindern. Das sind aber nur zwei Beispiele, unser ganzes System muss von Grund auf frauenfreundlicher gemacht werden!»


Lina Senn (24), Tiktokerin:
«Ich werde noch immer auf mein Äusseres reduziert»

«Von Frauen wird im Alltag oftmals weniger erwartet – was im Umkehrschluss heisst, dass sie nicht die gleiche Leistung erbringen können. Das ist doch sinnlos! Häufig erlebe ich, dass ich auf mein äusseres Erscheinungsbild reduziert und deswegen als arrogant und oberflächlich abgestempelt werde. Das dann auch noch mit der Intelligenz zu verbinden und mich als dumm abzustempeln, macht mich wütend. Ich bin mir sicher, dass ein Grossteil überrascht wäre, wenn sie wissen würden, dass ich studiert habe und neben Tiktok auch einen ‹klassischen Beruf› ausübe. Derartige Denkweisen sind einfach nicht mehr zeitgemäss. Mitmenschen, die dieses Gedankengut mit sich tragen, haben ein Problem. Wir sind leider noch lange nicht da angekommen, wo wir sein sollten. Es muss sich noch vieles ändern.»



Adela Smajic (29), Influencerin:
«Wir sollten das Frausein jeden Tag zelebrieren»

«Es ist in der Vergangenheit mehrfach vorgekommen, dass mich Menschen – und ich sage bewusst nicht Männer – auf mein Äusseres reduziert haben. Personen haben immer wieder überrascht auf den Fakt reagiert, dass ich studiere. Als ob Studentinnen und Studenten ein spezifisches Aussehen haben. Ich weiss, dass solche Äusserungen meist nicht böse gemeint sind. Es ist schliesslich menschlich, dass Leute schubladisieren und ihre Gedanken mit bestehendem Wissen verknüpfen. Wichtig dabei ist es aber, offen für neue Zusammenhänge zu sein und so, Schritt für Schritt, den Horizont zu erweitern. Nur so schaffen wir es, verankerte Gedanken zu lösen und Platz für neue Eindrücke zu schaffen. Wir Frauen sollten uns mehr über das Frausein freuen und das jeden Tag zelebrieren – nicht nur am 8. März.»


Tina Umbricht (23), Sängerin:
«Bei Grenzüberschreitungen werde ich laut»

«Seit längerer Zeit kleide ich mich primär im Tomboy-Style. Also entgegen gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Dies hat sich mit der Zeit entwickelt, weil ich keinen Bock auf dumme Kommentare bei freizügigen Kleidern hatte. Ich bin überrascht, dass meine Outfits eine so krasse Auswirkung auf die Wahrnehmung von Männern haben. Sie begegnen mir eher auf Augenhöhe. Sollte es dennoch zu Grenzüberschreitungen kommen, bin ich nicht mehr leise. Ich halte den Männern inzwischen gerne den Spiegel vor und lasse die Situation für sie unangenehm werden. Wir Frauen müssen uns nicht schämen, wenn uns nachgepfiffen wird, die Täter sollen dies tun und an den Pranger gestellt werden.»

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