Aktualisiert 15.05.2007 19:38

Pronto-Schläger finden Urteil zu hart

Zwei wegen der Pronto-Schlägerei von 2004 in Liestal verurteilte ehemalige Skinheads sind heute vor dem Baselbieter Kantonsgericht gestanden. Sie wollen eine Korrektur des erstinstanzlichen Urteils, das aus ihrer Sicht zu streng war.

Das Kantonsgericht verkündet sein Urteil am Mittwoch. Die zwei Männer gehörten zu einer Gruppe, die beim Pronto-Shop am Bahnhof Liestal eine rivalisierende Ausländergruppe angreifen wollte, aber drei Passanten niederschlug. Das Strafgericht sprach deswegen 2006 sieben 22- bis 25-jährige Ex-Skins der schweren Körperverletzung und weiterer Delikte schuldig.

Die jungen Männer, die zur Skin-Gruppe «Warriors» oder deren Umfeld gehörten, erhielten Strafen von zweieinhalb Jahren unbedingt bis 17 Monaten bedingt. Einer wurde in eine Arbeitserziehungsanstalt eingewiesen. Von den Beiden, die die höchsten Strafen erhielten, wurde einem der Aufschub zugunsten einer Therapie gewährt.

Nicht für Andere haftbar

Der andere appellierte nun gegen das Urteil. Unbestritten blieb, dass er an der Planung des Angriffs auf die Ausländer beteiligt war, denen die mit Stöcken und anderem bewaffneten Skins einen «Denkzettel» verpassen wollten. Sein Verteidiger bestritt aber, dass er auch für die Angriffe auf die Passanten haftbar gemacht werden könne.

Diese seien vielmehr Opfer eines «Gewaltrausches» von zwei weiteren Beteiligten geworden, nachdem die Skin-Gruppe ihre Gegner beim Bahnhof nicht vorgefunden hätten. Der Verteidiger beantragte daher einen Freispruch vom Vorwurf der schweren Körperverletzung. Er plädierte vor allem aber auch für eine um sechs Monate reduzierte, bedingte Strafe.

Nicht «entsozialisieren»

Der sonst unbescholtene junge Mann sei durchwegs geständig, sich seiner Schuld bewusst und aus der Rechtsextremen-Szene ausgestiegen, sagte der Verteidiger. Mit einer Gefängnisstrafe würde er dagegen seine Stelle verlieren, aus seinem jetzigen Umfeld herausgerissen und «komplett entsozialisiert».

Für eine mildere Strafe plädierte auch der Verteidiger des zweiten Appellanten, der 18 Monate bedingt erhalten hatte. Dieser könne nicht haftbar gemacht werden, wenn andere Beteiligte vom ursprünglichen Vorhaben abgewichen seien und Passanten niedergeschlagen hätten. Statt als Mittäter sei er bloss wegen Gehilfenschaft zu verurteilen.

Anklage beharrt auf Urteil

Der Staatsanwalt beantragte demgegenüber die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Alle hätten gewusst, worum es ging, hatte das Strafgericht damals befunden und alle Angeklagten als Mittäter verurteilt. Eines der Opfer erlitt psychische Langzeitschäden. (sda)

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