06.01.2017 04:52

Solothurner Trapper

Pronto will seine Mutter glücklich rappen

Trapper Pronto aus Solothurn erfreut sich auf Youtube und im Radio zunehmender Beliebtheit. Mit seiner Musik strebt er nach Ruhm – und Mamas Stolz.

von
Simon Ulrich

Über 30'000 Klicks innert zwei Monaten: Prontos Musikvideo zum Track «Clean» findet auf Youtube viel Anklang. Damit hat der Solothurner Trapper mit ghanaischen Wurzeln nicht gerechnet. «Ich wollte primär mal die 10'000er-Marke knacken», sagt der 23-Jährige. Dass er gleich dreifach übers Ziel hinausgeschossen ist, spornt ihn umso mehr an. «Das macht hungrig», sagt Pronto, der sich an amerikanischen Vorbildern wie dem Trapper Future orientiert (siehe Box).

Auch diverse Radio-Stationen sind bereits auf Pronto aufmerksam geworden. Kürzlich wurde «Clean» im Black Music Special auf SRF 3 gespielt. Von Moderator Sascha Rossier gibts Lob für den Newcomer. «Die Beats sind fett geschraubt und befinden sich auf internationalem Standard», urteilt der Hip-Hop-Kenner.

Gern im Mittelpunkt

Rossier zufolge kann Pronto zudem mit seiner Authentizität punkten. «Bei anderen Schweizer Trappern hat man oft das Gefühl, sie machen gerade Trap, weil es in ist.» Pronto komme dagegen echter rüber. «Es hat den Anschein, als lebe und atme er Trap – und das nicht als Modeerscheinung», so der SRF- 3-Redaktor.

Für das Video zu «Clean» reiste der Newcomer mit seiner Crew, der 419 Finesse Gang, nach Mailand. Gedreht wurde in den belebten Einkaufsstrassen der Modestadt. An neugierigen Blicken mangelte es nicht. «Ich stehe gern im Mittelpunkt», sagt der 23-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Senyo Mensah heisst. Einige Passanten hätten gar um ein Selfie mit ihm gebeten. «Ein gutes Gefühl.»

Kein Geld für den Bus

Mailands Luxus-Shoppingmeilen wurden nicht zufällig als Schauplatz für den Clip auserkoren. Für Pronto verkörpert sich hier der «Dream». «Ich will Erfolg haben und mir auch etwas leisten können», sagt der Trapper, der seine Tracks von A-Z selber im Homestudio produziert. Dereinst von der Musik zu leben, sei sicher ein Traum. «Mal sehen, was die Zukunft bringt.»

Finanziell auf Rosen gebettet war der Hip-Hopper bis anhin nicht – oder wie er es in einem anderen Track ausdrückt: «E be kes Panamera-Baby». Konkret: Der Vater war die meiste Zeit in Ghana, die Mutter alleinerziehend. Oft fehlte das Geld. «Es gab Zeiten, da lief ich zur Schule, weil es fürs Busbillett nicht reichte», erinnert er sich.

Doch Pronto will nicht klagen. «Ich hatte eine glückliche Kindheit.» Seine Mutter habe «alles für ihn gegeben». Sie stolz zu machen sei sein grösster Ansporn. «Mit meiner Musik will ich ihr ein Lächeln auf die Lippen zaubern.»

Trap ist eine Unterart des Hip-Hop, die vorwiegend in den Südstaaten der USA in den frühen 1990er-Jahren entstanden ist. Der Stil wird geprägt durch tiefe Bässe, melodische Synthesizer und schnelle und oft aggressive rhythmische Elemente. Seit einigen Jahren werden in den Trap-Songs vermehrt auch Elemente und Mittel der elektronischen Musik eingesetzt. Oft drehen sich die Songs inhaltlich um Armut und das Leben auf der Strasse.

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