Rassistische Facebook-Posts: «Westen ist eine Abfall-Allianz» – Leiter von Durchgangsstation freigestellt 

Aktualisiert

Rassistische Facebook-Posts«Westen ist eine Abfall-Allianz» – Leiter von Durchgangsstation freigestellt 

Am Dienstagmorgen stellte der Kanton Zug den Leiter der Durchgangsstation Steinhausen per sofort frei. Grund: Seine Einträge auf Facebook. Er postete regelmässig prorussische, homophobe und sexistische Beiträge.  

von
Daniela Gigor
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Der Leiter der Durchgangsstation in Steinhausen soll auf seinem Facebook-Profil rund ein halbes Jahr lang homophobe, sexistische und prorussische Beiträge geteilt, gepostet und kommentiert haben.

Der Leiter der Durchgangsstation in Steinhausen soll auf seinem Facebook-Profil rund ein halbes Jahr lang homophobe, sexistische und prorussische Beiträge geteilt, gepostet und kommentiert haben.

Kanton Zug/Sabine Windlin
Nachdem dies bekannt wurde, ist der Leiter am Dienstag per sofort frei gestellt worden. 

Nachdem dies bekannt wurde, ist der Leiter am Dienstag per sofort frei gestellt worden. 

Kanton Zug/Sabine Windlin
Die Direktion des Innern distanziere sich «in jeder Form vollständig» von den Äusserungen des Durchgangsstationsleiters, sagt Regierungsrat Andreas Hostettler zur Luzerner Zeitung.

Die Direktion des Innern distanziere sich «in jeder Form vollständig» von den Äusserungen des Durchgangsstationsleiters, sagt Regierungsrat Andreas Hostettler zur Luzerner Zeitung.

Kanton Zug/Sabine Windlin 

Darum gehts

Der Leiter der Durchgangsstation in Steinhausen soll auf seinem Facebook-Profil rund ein halbes Jahr lang homophobe, sexistische und prorussische Beiträge geteilt, gepostet und kommentiert haben. Weil sein Account öffentlich einsehbar war, ist dies der «Luzerner Zeitung» aufgefallen und ein Journalist hat seine Arbeitgeberin, die Direktion des Innern, mit diesen Informationen konfrontiert. In der Folge wurde der Mann am folgenden Tag freigestellt und er löschte sofort sein Facebook-Profil. 

Wie im Artikel weiter zu lesen ist (Bezahlartikel), datiert der erste Post vom 11. Oktober letzten Jahres. Der Mann drückte seine Ansichten oft symbolisch mit Emojis aus. Für «Lüge» oder «verlogen» benützte er etwa die Schlange als Symbol, Schweinchen standen für «Unreinheit» an sich, Krustentiere stellten in seinen Posts so genannt unreine Lebensformen dar, die es verdienten, «lebendig zerstückelt» zu werden. Auf solche Tiersymbole folgten auch Emojis eines lesbischen und eines schwulen Pärchens, die sich unter einem Herzen küssen. 

«Krieg in Europa – die Frage ist nicht ob, die Frage ist wann»

Bereits zwei Monate bevor Russland in der Ukraine einmarschierte, also im Dezember 2021 veröffentlichte der Mann ein Video einer Kriegssituation, die vermutlich aus einem Video stammte. Als Gefühl gab der Mann «fühlt sich toll» an. Als Standort seiner kriegerischen Aktion gab er Europa/Kiev an und schrieb dazu in Englisch: «Krieg in Europa – die Frage ist nicht ob, die Frage ist wann» und wieder verwendete der Mann Emojis, welche er passend empfand. 

Solche und weitere Posts soll der Mann noch zu Dutzenden abgesetzt haben. In seinen Augen ist der Westen eine «böse», «unreine» «Abfall-Allianz», und es müsse eine «neue Weltordnung» installiert werden. Er schreckte auch nicht vor Themen wie einem Atombombenabwurf über der Ukraine zurück und er zeigte seine unterstützende Haltung für Wladimir Putin ganz offen, wie die «Luzerner Zeitung» weiter berichtete. Ausserdem war der Leiter der Durchgangsstation Steinhausen schon früher negativ aufgefallen. So soll er ehemalige Arbeitskollegen gemobbt und schikaniert haben.  Der Mann war zudem immer wieder konzentriert aufs Thema «Jungfräulichkeit», das er mit einer Vulva darstellte, die zugenäht wird. In diesem Zusammenhang vergab er so genannte «Jungfräulichkeitszertifikate».

Direktion des Innern distanziert sich von den Äusserungen des Mannes 

Die Direktion des Innern distanziere sich «in jeder Form vollständig» von den Äusserungen des Durchgangsstationsleiters, sagt Regierungsrat Andreas Hostettler zur LZ. Die Entscheidung, den Mann freizustellen, sei innert Stunden gefallen. Er habe seinen Computer, Badge und das Handy abgeben müssen. Obwohl die Unschuldsvermutung gilt, werde die Angelegenheit geprüft und mögliche weitere Schritte eingeleitet. Laut Hostettler hatte der Mann in der Durchgangsstation nie mit Ukrainerinnen und Ukrainern zu tun, weil diese Personen wegen des Schutzstatus S von den übrigen Asylsuchenden getrennt wurden. Der Beschuldigte wollte sich gegenüber der «Luzerner Zeitung» nicht zu den Vorwürfen äussern. 

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