Starke Fluktuation: Prostituierte aus Zürich wandern in Agglo ab
Aktualisiert

Starke FluktuationProstituierte aus Zürich wandern in Agglo ab

Prostituierte, die in der Stadt Zürich keine Bewilligung erhalten, weichen vermehrt in die Agglomeration aus.

von
Deborah Sutter
Zürcher Strassenprostituierte arbeiten vermehrt in Sex-Clubs auf dem Land.

Zürcher Strassenprostituierte arbeiten vermehrt in Sex-Clubs auf dem Land.

Das strenge Bewilligungsverfahren für Strassenprostituierte in der Stadt Zürich treibt die Frauen in die Agglomeration. Dies berichtet die Anlaufstelle Isla Victoria der Zürcher Stadtmission: «Bei unserer aufsuchenden Arbeit, die wir seit letztem Oktober auf den gesamten Kanton ausgedehnt ­haben, stellen wir eine starke Fluktuation in Richtung Agglomeration fest», sagt Leiterin Regula Rother.

Grund dafür sei wohl das neue Bewilligungsverfahren der Stadt, das seit Juni 2011 in Kraft ist: «Entweder erhalten die Frauen keine Bewilligung oder sie erfragen sie erst gar nicht, weil sie nicht daran glauben, sie zu bekommen.»

Mit der Einführung des Bewilligungsverfahrens für Salons könnte die Abwanderung noch weiter zunehmen, so Rother. Einfach haben es ihre Streetworkerinnen nicht, sich Zugang in die Agglo-Clubs zu verschaffen: Oft wird von ihnen der Eintrittspreis gefordert, den auch die Freier bezahlen müssen.

Agglo statt Sexboxen

Der Anwalt Valentin Landmann, der den Besitzer des Gross-Clubs Globe in Schwerzenbach vertritt, bestätigt ­Rothers Befürchtung: «Wird der Strich am Sihlquai aufgehoben, werden sich die Frauen eher in die Agglo begeben als in die Sexboxen.»

Dass ­vielen Frauen eine Bewilligung verweigert wird, kann das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit allerdings nicht bestätigen. Sprecherin Irene Tschopp: «Seit ­Januar haben wir nur fünf ­Gesuche abgelehnt – ich vermute aber, dass sich viele Frauen dem Selbstständigkeitstest gar nicht erst unterziehen wollen und lieber ausserhalb der Stadt arbeiten gehen.»

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