Das Sihlquai wird geräumt: «Prostituierte folgen den Freiern»
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Das Sihlquai wird geräumt«Prostituierte folgen den Freiern»

Der Umzug des Zürcher Strassenstrichs klappt nur, wenn Freier und Prostituierte den neuen Standort akzeptieren. Bei der Stadt gibt man sich zuversichtlich.

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amc/job
Fertig Sihlquai: Die kleinen Verrichtungsboxen (Bild) weichen den grossen.

Fertig Sihlquai: Die kleinen Verrichtungsboxen (Bild) weichen den grossen.

Bis nächsten Frühling soll der Strassenstrich am Zürcher Sihlquai geschlossen und in eine Industriebrache in Zürich West verpflanzt werden. Der Plan, über den erst noch der Gemeinderat abstimmen muss, ist mit Unwägbarkeiten behaftet. Eine Frage ist, ob sich die Prostituierten einfach so vom zentralen Sihlquai an den Westrand von Zürich vertreiben lassen. Robert Soos, Sprecher des Zürcher Polizeidepartements, meint jedoch gegenüber 20 Minuten Online, dass der Weg kein Problem darstelle, weil noch dieses Jahr die neue Tramlinie eröffnet wird.

«Mr. Langstrasse» Rolf Vieli ist zuversichtlich, dass die Prostituierten nach der Schliessung nicht in die Langstrasse einziehen, wie man das schon vereinzelt beobachten konnte. «Nur wenige haben dort ein Zimmer», sagt Vieli, und nur so lohne sich dort die Sexarbeit. Die meisten Sihlquai-Frauen seien auf den Autostrich angewiesen. Zudem würden die Freier vom Sihlquai nicht in die Langstrasse wollen. Falls der Umzug doch ungeplante Verschiebungen zur Folge habe, so Rolf Vieli, sei man gerüstet.

Stadtrat Leupi zum neuen Strassenstrich

Viel Kommunikation nötig

Für Regula Rother von der Stadtmission Zürich, welche an der Langstrasse die Prostituiertenberatung Isla Victoria betreibt, steht und fällt das Konzept nicht mit den Prostituierten, sondern mit den Männern: «Es ist ein Gesetz von Nachfrage und Angebot. Dort wo die Freier hingehen, gehen auch die Sexarbeiterinnen hin.» Man werde sehen, ob sie das neue Areal akzeptieren werden.

Robert Soos vom Polizeidepartement betont, dass es für einen detaillierter Umzugsplan noch zu früh sei. «Wichtig wird aber vor allem eine frühzeitige und gute Kommunikation gegenüber den Prostituierten und den Freiern sein.» Die Erfahrungen der Stadt Essen hätten gezeigt, dass mit einer gut koordinierten Kommunikation ein solcher Wechsel möglich ist. Falls es doch nicht klappe, werde man mit «geeigneten polizeilichen Massnahmen» nachhelfen.

An Pressekonferenz vom Mittwoch sprachen die Stadtbehörden bei dem Projekt zwar von einem Versuch, der misslingen könne, doch der Optimismus überwiegt. «Das Projekt würde nicht gestartet, wenn es keine Zukunft hätte. Die Frage ist nur, funktioniert es zu 100 oder nur zu 80 Prozent», sagt Rolf Vieli. Und Robert Soos meint: «Die Stadt wird den neuen Strichplan in jedem Fall durchsetzen.»

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