Aktualisiert 23.09.2014 16:01

Stansstad NW«Prostituierte haben Angst und trauern um Tote»

Jetzt ist die Identität der Wasserleiche von Kehrsiten klar: eine Prostituierte (36) aus Bulgarien, die in Luzern auf dem Strassenstrich arbeitete. War der Mörder ein Freier?

von
Martin Messmer
Ein Polizeiboot in der Harissenbucht in Stansstad, in der Nähe wo die Leiche gefunden wurde.

Ein Polizeiboot in der Harissenbucht in Stansstad, in der Nähe wo die Leiche gefunden wurde.

Die Staatsanwaltschaft Nidwalden ist einen Schritt weiter - sie hat Details zur Identität der Wasserleiche, die am Sonntag bei Kehrsiten im See gefunden wurde. Bei der 36-jährigen Frau handelt es sich um eine Prostituierte, die in Luzern als vermisst gemeldet wurde. Das Opfer wurde letztmals in der Nacht auf Sonntag am Strassenstrich in Ibach bei Luzern gesehen. Sie wohnte im Kanton Aargau und stammt aus Bulgarien.

Andere Prostituierte, die mit dem Opfer auf dem Strich gearbeitet hatten, gaben die Vermisstmeldung in der Nacht auf Sonntag um 2.20 Uhr bei der Polizei auf. Sie sorgten sich um die Frau, als sie nicht mehr ans Telefon ging und nicht mehr erreichbar war, sagte Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft Luzern.

«Kann mich an vergleichbaren Fall nicht erinnern»

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Gewaltdelikt aus. Auf Anfrage hiess es dort, dass man auch ermittle, ob ein Freier die Frau getötet und in den See gelegt haben könnte. Die Frau soll in der Tatnacht mehrere Freier bedient haben. Erika von Rotz von der Staatsanwaltschaft Nidwalden sagte, dass auch Berufskolleginnen der Bulgarin vom Strassenstrich Ibach befragt würden.

Von Rotz betont, dass man weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung hoffe. Einige Spuren konnte die Staatsanwaltschaft bereits sicherstellen. Fragen zur Tötungsart, dem Verletzungsmuster, zu DNA-Spuren, zum Motiv der Tat und ob Tatort und Fundort identisch waren, beantwortete von Rotz aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht. Aber sie sagt: «Ich bin zuversichtlich, dass wir den Täter fassen werden.» Für die Nidwaldner Staatsanwaltschaft ist der Prostituierten-Mord Neuland: «Ich kann mich an einen vergleichbaren Fall in Nidwalden nicht erinnern», sagt von Rotz.

Viele erleben Gewalt

Birgitte Snefstrup, welche für den Verein Lisa die Prostituierten im Ibach jeweils vor Ort betreut, hatte die ermordete Bulgarin gekannt. «Ich erlebte sie als eine sehr angenehme Person.» Frauen wie sie würden auf dem Strassenstrich anschaffen, damit ihre Kinder Geld für Essen, Kleider und Schulbücher haben.

Die Bulgarin sei in ihrem Beruf erfahren gewesen. Die Frauen auf dem Strassenstrich wüssten, dass sie einen prekären Job haben. Die Arbeit auf dem Strassenstrich könne gefährlich sein, obwohl die Dienstleistungen in der Regel problemlos verlaufen. «Ab dem Moment, in dem sie in ein Auto steigen, sind sie einem Mann ein Stück weit ausgeliefert.»

Viele Frauen im Ibach hätten schon Gewalt erlebt. Am Samstag war vom Verein Lisa niemand vor Ort; die Betreuung findet im Ibach nicht an jedem Tag statt. Es sei jetzt wichtig, dass die Betreuungspersonen vom Verein Lisa «für die Frauen da sind in dieser schwierigen Zeit. Sie haben Angst um sich selber und trauern um ihre Freundin. Die Prostituierten schauen auch untereinander gut zu sich. Der Mord ist für uns alle sehr, sehr tragisch.»

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