Aktualisiert 15.01.2020 14:50

Menschenhandelsfall vor GerichtProstituierte mussten 18 Stunden am Tag arbeiten

Zwei Thailänderinnen sollen über ein Menschenhandels-Netzwerk Dutzende Landsfrauen nach Basel geholt haben, wo sie ihre Schulden zu unmenschlichen Bedingungen abarbeiten mussten.

von
lha
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In einem Etablissement in der Ochsengasse 17 in Basel wurden thailändische Prostituierte jahrelang wie Sklavinnen gehalten.

In einem Etablissement in der Ochsengasse 17 in Basel wurden thailändische Prostituierte jahrelang wie Sklavinnen gehalten.

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Die Betreiberinnen des Salons sollen mindestens 41 Sexarbeiterinnen über ein Menschenhändler-Netzwerk aus Thailand geholt haben. Die 66-jährige Hauptangeklagte war die Besitzerin des Basler Sexstudios «Thai Harem», die 64-jährige Mitangeklagte fungierte als ihre Stellvertreterin.(Symbolbild)

Die Betreiberinnen des Salons sollen mindestens 41 Sexarbeiterinnen über ein Menschenhändler-Netzwerk aus Thailand geholt haben. Die 66-jährige Hauptangeklagte war die Besitzerin des Basler Sexstudios «Thai Harem», die 64-jährige Mitangeklagte fungierte als ihre Stellvertreterin.(Symbolbild)

Die Opfer wussten zwar, dass sie sich prostituieren würden, gingen aber davon aus, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes behalten dürften. In Tat und Wahrheit aber mussten sie auch die zweite Hälfte ihres Verdienstes zur Tilgung ihrer Schulden aufwenden.

Die Opfer wussten zwar, dass sie sich prostituieren würden, gingen aber davon aus, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes behalten dürften. In Tat und Wahrheit aber mussten sie auch die zweite Hälfte ihres Verdienstes zur Tilgung ihrer Schulden aufwenden.

Keystone/Georgios Kefalas

Mindestens 41 Prostituierte sollen in Basel im Studio «Thai Harem» an der Ochsengasse zwischen 2012 und 2016 wie Zwangsarbeiterinnen gehalten worden sein. Die Betreiberinnen des Salons, zwei ältere Schweizerinnen thailändischer Herkunft, müssen sich seit Montag wegen mehrfachen qualifizierten Menschenhandels, qualifizierter Geldwäsche und weiterer Delikte vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Die Beschuldigten haben laut Anklage über ein Netzwerk systematisch thailändische Frauen und Transsexuelle «zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung» in die Schweiz und andere Länder eingeschleust, um sich dann an ihnen zu bereichern. Die 66-jährige Hauptangeklagte war die Besitzerin des Sexstudios «Thai Harem», die 64-jährige Mitangeklagte fungierte als ihre Stellvertreterin. Die Opfer hätten zwar gewusst, dass sie sich prostituieren würden, seien aber davon ausgegangen, dass sie die Hälfte ihres Verdienstes behalten dürften. In Tat und Wahrheit aber hätten sie die zweite Hälfte ihres Verdienstes zur Tilgung ihrer Schulden aufwenden müssen.

Zwischen 40'000 und 60'000 Franken, mussten die die Sexarbeiterinnen demnach erwirtschaften, bevor sie ihre Schulden abgestottert hatten. Zumindest während der ersten Zeit ihrer Tätigkeit in den Sexstudios erhielten sie de facto kein Geld. Die jungen Thailänderinnen, mittellos, verschuldet und ohne soziales Netz in der Schweiz, seien ihren Zuhälterinnen völlig ausgeliefert gewesen. Die Anklage beschreibt ihre Situation als «auswegslos».

Opfer wurden gehalten wie Sklavinnen

Die Beschuldigten finanzierten sich durch den Menschenhandel einen aufwändigen Lebensstil. Die Inhaberin des «Thai Harems» entwickelte laut Anklage eine Vorliebe für Louis Vuitton, Prada und andere Luxusmarken.

Ihre Landsfrauen hielt sie wie Sklavinnen. Die Sexarbeiterinnen hatten täglich von 8 oder 9 Uhr morgens bis Betriebsschluss um 2 Uhr morgens zu arbeiten. Bis zur vollständigen Tilgung der Schulden durften die Frauen das Studio nur in Begleitung der Beschuldigten verlassen. Manchen wurde verboten, sexuelle Praktiken abzulehnen, etwa ungeschützten Geschlechtsverkehr. Zudem mussten sie auch die Reinigung des Studios besorgen.

Der Schrecken fand Anfang Februar 2016 sein Ende, als die Beschuldigten bei einer Razzia in ihrem Etablissement verhaftet wurden. Die Staatsanwaltschaft hatte die Frauen schon länger im Visier und bereits eine Sonderkommission eingesetzt und eine grössere Ermittlung in Kooperation mit mehreren anderen Kantonen am Laufen.

Verteidigung moniert Verfahrensfehler

Die Beschuldigten stritten am ersten Verhandlungstag die ihnen vorgeworfenen Taten ab. Die Hauptbeschuldigte gab an, sie habe ihren Landsleuten lediglich helfen wollen und ihnen darum ihre Wohnung zur Verfügung gestellt, berichtet die «Basler Zeitung». Die Verteidigung ficht auch mehrere Aussagen von Belastungszeuginnen an, bei denen die Konfrontationsrechte nicht eingehalten worden seien.

Die Absicht dahinter ist klar: Je mehr Aussagen unverwertbar werden, desto schwieriger wird es, den Beschuldigten etwas anzuhängen. Die Opfer sind längst wieder ausser Landes und können nicht mehr befragt werden.

Allerdings hat das Gericht acht Frauen als Zeuginnen vorgeladen, wobei nicht klar ist, ob alle vor Gericht erscheinen und belastende Aussagen machen werden. Das Urteil wird voraussichtlich am 24. Januar gefällt. Die Strafanträge der Anklage sind noch nicht bekannt.

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