Bordell-Prozess: Prostituierte mussten Spesen abarbeiten
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Bordell-ProzessProstituierte mussten Spesen abarbeiten

143 Frauen soll ein 60-jähriger Solothurner aus Brasilien in die Schweiz gelockt und zur Prostitution gezwungen haben. Er und weitere Angeklagte stehen dafür vor dem Bundesstrafgericht.

Beim Prozess wegen mutmasslichen Menschenhandels sind am Montag die Beschuldigten vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona zur Anwerbung und Bezahlung von Brasilianerinnen befragt worden. Der Vorwurf lautet, die Frauen seien gegen ihr Wissen zur Prostitution in die Schweiz gelockt worden.

Die jungen Frauen hätten vorwiegend aus einer sehr armen Region in Brasilien gestammt, sagten die Angeklagten übereinstimmend. Nach ihrer Darstellung wurden sie aber nicht durch falsche Versprechungen in die Schweiz gelockt, sondern durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Brasilianerinnen, die bereits in den Bordellen des mutmasslichen Haupttäters tätig waren, hätten ihre Freundinnen und Verwandten über diese Jobmöglichkeit in der Schweiz informiert, führten die Beschuldigten aus. Die Angeworbenen hätten meist schon zuvor als Prostituierte gearbeitet.

Reisespesen abarbeiten

Die Bundesanwaltschaft dagegen geht davon aus, dass die angeworbenen Frauen in Brasilien nicht wussten, worauf sie sich bei den angebotenen Jobs einlassen.

Es sei richtig, dass die Brasilianerinnen anfangs die Reisespesen abarbeiten mussten, sagte der 60-jährige Bordellbetreiber dem Gericht. Die Schulden hätten jeweils rund 9000 Franken betragen und Flugkosten, Vorzeigegeld für den Zoll, Ausgaben für Gepäck und Taschengeld umfasst.

Zudem sei einkalkuliert worden, dass einige der Mädchen ohne zu bezahlen aus den Bordellen verschwunden seien, erläuterte der Angeklagte. Diese Schulden seien auf die anderen Frauen umgelegt worden. Dies würde die unverhältnismässig hohe Summe erklären.

Das Gericht setzt am Nachmittag mit der Befragung der Angeklagten fort. (sda)

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