Strichplatz Zürich: Prostituierte verdienen in Sexboxen zu wenig
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Strichplatz ZürichProstituierte verdienen in Sexboxen zu wenig

Der Strichplatz in Zürich-Altstetten ist seit sieben Monaten in Betrieb. Die Strassendirnen fühlen sich am neuen Ort zwar sicherer, ihr Umsatz allerdings ist eingebrochen.

von
blu
Auf dem Strichplatz in Zürich-Altstetten machen die Sexarbeiterinnen weniger Umsatz als noch am Sihlquai.

Auf dem Strichplatz in Zürich-Altstetten machen die Sexarbeiterinnen weniger Umsatz als noch am Sihlquai.

Sieben Monate nach der Eröffnung des Strichplatzes in Altstetten zog die Stadt Zürich am Dienstag vor den Medien ein positives Fazit: Am Sihlquai, wo die Prostituierten früher anschafften, würden sich keine Nachwehen zeigen. Die Prostituierten seien auch nicht auf andere legale Strichzonen ausgewichen und der Strichplatz am Depotweg wirke sich nicht negativ auf die Umgebung aus.

Aber: Obwohl sich die Situation der Sexarbeiterinnen in Bezug auf Sicherheit und Infrastruktur deutlich verbessert hat, klagen die Dirnen über starke Umsatzeinbussen. Diese kommen vor allem daher, dass auf dem Strichplatz nur Freier in Autos akzeptiert werden. Die Strassenprostitution ist nicht mehr, wie am Sihlquai, mit der Ausgangsszene vermischt, was dort jeweils zu hohen Umsätzen geführt hatte. Pro Abend arbeiten im Durchschnitt 15 Sexarbeiterinnen auf dem Strichplatz – nur noch halb so viele wie am Sihlquai. Dafür waren die Prostituierten dort grösseren Gefahren ausgesetzt.

Wolff spricht von «akzeptabler Situation»

«Die Zustände waren unhaltbar», sagte Martin Waser (SP), Vorsteher des Sozialdepartements. Man habe die Missstände beheben wollen, Ziel sei es nicht gewesen, den Umsatz der Prostituierten zu verkleinern. Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) hat sich selbst ein Bild vom Strichplatz gemacht: «Die Situation ist akzeptabel: Versorgung und Beratung sind gewährleistet, es gibt Möglichkeiten einer gynäkologischen Untersuchung, Duschen, geheizte Pavillons und warme Getränke.» Damit hätten sich die Bedingungen für Prostituierte im Gegensatz zum Sihlquai deutlich verbessert.

Prostitutionsgewerbeverordnung (PGVO)

Die PGVO ist seit Mitte 2012 in Kraft und beinhaltet eine Fachkommission, Bussen für Freier und die Erhöhung der Altersgrenze von jungen Dirnen auf 18 Jahre.

Am 01.01.2013 war die Vollinkraftsetzung der PGVO: Seither gibt es neue Bewilligungsverfahren für die Strassen- und Salonprostitution und Ticketautomaten.

Aktuell liegen für Bewilligungen gemäss PGVO 67 Gesuche für Bordelle vor. 13 davon wurden bereits bewilligt, die restlichen werden noch geprüft. Kleinstsalons, in denen nur bis zu zwei Mitarbeiter beschäftigt sind, sind von der Bewilligungspflicht ausgeschlossen.

Salonprostitution

Die Bau- und Zonenordnung (BZO) regelt seit 2001, dass in Wohnquartieren, in denen der Bewohneranteil mehr als 50 Prozent beträgt – unter anderem an der Langstrasse–, keine sexgewerbliche Nutzung bewilligt werden kann. Zweck der BZO ist die Bekämpfung von Auswüchsen des Sexgewerbes in Wohnquartieren.

Diese Bestimmung führt seit 2007 zu einer Abnahme der Bordelle in Zürich.

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