Aktualisiert 29.03.2016 16:20

Plakatverbot umgangen

Prostituierte wirbt am Rhein für Basler Bordell

Das Puff Edelweiss rührt die Werbetrommel und schickt eine Dirne auf Promotion-Tour durch Basel. Die Aktion ist umstritten.

von
jd
Das Basler Puff Edelweiss macht Werbung auf neue Art: Sie steckt Prostituierte in ein billiges T-Shirt und schickt sie ans Rheinbord.

Das Basler Puff Edelweiss macht Werbung auf neue Art: Sie steckt Prostituierte in ein billiges T-Shirt und schickt sie ans Rheinbord.

jd

Eine junge Frau mit langem, platinblondem Haar zog am Ostermontag alle Blicke auf sich. Verführerisch räkelte sie sich am Rheinbord in der Sonne und präsentierte ihr schwarzes T-Shirt, auf das mit weisser Schrift, nebst einem Kussmund, die Adresse eines Bordells gedruckt war.

Vereinzelt setzten sich Männer neben sie, um ein paar Worte zu wechseln, während sie mit ihrem Pferdeschwanz spielte. Die auffällige Dame heisse Simona und sei am Montag auf ihrer ersten Werbetour durch Basel unterwegs gewesen, sagt Diego Gonsales, Inhaber des Puffs Edelweiss, auf Anfrage von 20 Minuten.

«Das Telefon läuft heiss»

«Sie ist eine der hübschesten Damen, die bei mir arbeiten, und erweckt sofort das Interesse der Leute, wenn sie irgendwo hingeht. Darum ist sie einfach perfekt für unsere Promotion», schwärmt er. Seit 2011 gilt für Bordelle in Basel-Stadt ein Plakat-Verbot auf öffentlichem Grund. «Eine schöne Frau in ein T-Shirt zu stecken und loszuschicken ist nicht verboten und die Männer haben erst noch Freude, weil sie etwas zum Gucken haben», so Gonsales, der davon überzeugt ist, dass die Aktion bei den Leuten ankommt.

Über die Feiertage sei wenig losgewesen, darum wollte er dem Geschäft ordentlich einheizen und ging in die Offensive. Statt für viel Geld im Internet Anzeigen zu schalten, setze er lieber auf Mundpropaganda: «Das ist Old School, zeigt aber Wirkung. Das Telefon läuft seither heiss.» Er könne sich gut vorstellen, dass seine Mädchen künftig öfters auf der Strasse anzutreffen sind.

Politikerinnen empört

Dies missfällt Grossrätin Beatrice Isler (CVP-EVP). Die Werbe-Strategie sei unter der Gürtellinie, nervt sich Isler. «Das ist absolut primitiv und daneben», schimpft sie. In den Augen ihrer Partei-Kollegin Annemarie Pfeifer handelt es sich dabei gar um eine Gesetzesübertretung. «Auf der Allmend darf nicht für Bordelle geworben werden, ganz egal, wie diese Werbung aussieht», so Pfeifer. Sie werde beobachten, wie sich die Geschichte entwickelt. «Wenn es nicht bei dem Einzelfall bleibt, werde ich politisch dagegen vorgehen.»

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