Brasilien: Prostituierte fordern Vortritt bei Corona-Impfungen
Aktualisiert

BrasilienProstituierte fordern Vortritt bei Corona-Impfungen

Sexarbeiterinnen in Brasilien sind wegen des Coronavirus’ auf die Strasse gegangen: Sie fordern von der Regierung eine prioritäre Behandlung bei den Impfungen und legen darum für eine Woche ihre Arbeit nieder.

von
Marcel Urech

Darum gehts

  • Prostituierte in Brasilien verlangen, dass sie sich schneller gegen Corona impfen lassen können.

  • Die Regierung soll sie dafür als Teil des Gesundheitspersonals anerkennen.

  • «Wir stehen an vorderster Front und sind gefährdet", sagt eine Sprecherin der Sexarbeiterinnen.

Prostituierte in Brasilien sind für eine Woche im Streik: Sie sind mit der Politik ihrer Regierung nicht einverstanden und fordern eine prioritäre Behandlung bei den Corona-Impfungen. Schliesslich seien sie als «Front Line Workers» an vorderster Front tätig und damit einer grossen Gefahr ausgesetzt. Das berichtet die britische «Daily Mail» unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP).

«Wir stehen an vorderster Front, befeuern die Wirtschaft und sind gefährdet», sagte Cida Vieira, Präsidentin der Vereinigung der Prostituierten in Mins Gerais. «Wir müssen prioritär behandelt werden, weil wir Menschen über Gesundheitsthemen und Geschlechterkrankheiten aufklären und gratis Kondome verteilen».

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Die Prostituierten fordern eine prioritäre Behandlung bei den Corona-Impfungen.

Die Prostituierten fordern eine prioritäre Behandlung bei den Corona-Impfungen.

AFP
Eine Sexarbeiterin protestiert in Rua Guaicurus gegen die Impfpolitik Brasiliens.

Eine Sexarbeiterin protestiert in Rua Guaicurus gegen die Impfpolitik Brasiliens.

AFP
Die Regierung soll sie dafür als Teil des Gesundheitspersonals anerkennen.

Die Regierung soll sie dafür als Teil des Gesundheitspersonals anerkennen.

AFP

Da die Hotels in Brasilien wegen der Pandemie geschlossen sind, bieten tausende Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter ihre Dienste auf der Strasse an. Die Prostituierten gingen in Belo Horizonte, der Hauptstadt von Minas Gerais, auf die Strasse. Mit Transparenten und Botschaften wie «Gesundheitsministerium, bitte teilt uns Sexarbeiterinnen in eine prioritäre Impfstoffgruppe ein» und «Sexarbeiterinnen sind eine prioritäre Gruppe».

Impfstoffe sind Mangelware

Brasilien impft zuerst das Gesundheitspersonal, Lehrkräfte, ältere Menschen, Ureinwohner*innen und Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen. Das Land hatte im März ein Abkommen über die Lieferung von 38 Millionen Impfdosen mit Johnson & Johnson geschlossen, diese werden aber erst ab August erwartet. Es ist der vierte Corona-Impfstoff, den die Aufsichtsbehörde von Brasilien zulässt.

Vakzine für die 212 Millionen Einwohner sind aber weiter knapp. Nur rund acht Prozent der Bevölkerung erhielt bisher eine erste Dosis. Im März starben in Brasilien so viele Menschen an oder mit einer Corona-Infektion wie noch nie: Über 66’000. Das waren mehr als doppelt so viele als im letzten Höchststands-Monat.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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