Zürcher Obergericht: Prostituierte würgte ihre Kinder bei lauter Musik
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Zürcher ObergerichtProstituierte würgte ihre Kinder bei lauter Musik

Eine Prostituierte hat ihre beiden Töchter bedroht, geschlagen und gequält. Das Zürcher Obergericht bestätigt eine fünfjährige Haftstrafe gegen die Folter-Mutter.

von
A. Szenogrady
Das Zürcher Obergericht hat eine Mutter wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Zürcher Obergericht hat eine Mutter wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

«Ich entschuldige mich bei meinen Kindern», schluchzte die heute 41-jährige Mutter während ihres Schlusswortes vor dem Zürcher Obergericht. Wenn sie könnte, würde sie alles ungeschehen machen, erklärte die Prostituierte, die seit über zwei Jahren im Gefängnis sitzt. Ansonsten verweigerte sie jegliche Aussage.

Die Anklageschrift berichtete, wie die aus Südamerika stammende Schweizerin ihre beiden 2001 und 2004 geborenen Töchter ab Sommer 2008 als alleinerziehende Mutter regelmässig körperlich und seelisch folterähnlich misshandelte.

Die offensichtlich sadistische Beschuldigte traktierte ihre beiden Kinder immer wieder mit Faustschlägen gegen den Kopf, Fusstritten in den Bauch oder mit Würgen am Hals. Wiederholt schlug die Täterin auch mit einer Holzkelle zu. In einem Fall so stark, dass der Kochlöffel dabei zerbrach. Hinzu kamen Beschimpfungen und Drohungen. Der jüngeren Tochter stellte sie in Aussicht, ihr den Finger abzuschneiden. Am Boden schlafen sowie Essensverweigerungen gehörten zu den weiteren Foltermethoden der Stadtzürcherin.

Im Kinderspital aufgeflogen

Erstaunlicherweise konnte die Mutter ihre grausamen Erziehungsmethoden über Jahre hinweg verheimlichen. So liess sie jeweils laute Musik laufen, um die Schreie der Opfer zu übertönen. Wenn die Kinder zu offensichtlich verletzt waren, durften sie nicht zur Schule gehen. Die Täterin flog erst im September 2013 im Kinderspital auf. Nachdem sie die jüngere Tochter massiv verprügelte hatte, wurde ein Arzt misstrauisch und schaltete die Polizei ein.

Die Prostituierte versuchte zunächst, den Verdacht auf ihren Ex-Mann zu lenken. Ohne Erfolg. Sie wurde festgenommen und im September 2014 vom Bezirksgericht Zürich wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung zu einer hohen Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die beiden Kinder sind seither fremdplatziert und leiden unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung.

Laut Verteidiger eine überforderte und verzweifelte Mutter

Die Verteidigung legte Berufung ein und setzte sich am Mittwoch vor Obergericht für ein erheblich milderes Urteil ein. So seien wegen einfachen Körperverletzungen sowie Tätlichkeiten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und somit die sofortige Haftentlassung der Beschuldigten angezeigt. Im schlimmsten Fall von schweren Körperverletzungen wären höchstens drei Jahre angemessen, plädierte er. Der Rechtsanwalt sprach von einer überforderten und verzweifelten Mutter. Die belastenden Darstellungen der beiden Kinder erachtete er dagegen als übertrieben, pauschal und oberflächlich. Weshalb ein Glaubwürdigkeitsgutachten über sie zu erstellen sei.

Das Obergericht ging auf die Argumente des Verteidigers aber nicht ein und bestätigte das erstinstanzliche Urteil umfassend. Die Oberrichter stuften die erschütternden und tragischen Darstellungen der beiden Kinder als sehr glaubhaft ein. Bei der rechtlichen Würdigung gingen sie von schweren Körperverletzungen aus. «Wer zwei wehrlose Kinder einem derartigen Folterregime aussetzt, nimmt eine schwere Schädigung ihrer geistigen Gesundheit in Kauf», klärte der Vorsitzende Franz Bollinger. Aufgrund des schweren Verschuldens und der vollen Schuldfähigkeit der Mutter, sah das Obergericht keinen Anlass, von der Freiheitsstrafe von fünf Jahren abzuweichen.

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