Aktualisiert 06.09.2007 15:40

Prostituierten-Quartier für Zürich?

Wie kann man die Entwicklung des Rotlichtmilieus so steuern, dass es für die Quartierbewohner erträglich ist? Mit dieser Frage befassten sich in Zürich Fachleute und Interessierte und brachten «unorthodoxe Lösungsansätze» ein.

Die Anzahl der - registrierten - Prostituierten in der Stadt Zürich ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ende 2006 waren es 4461 auf 370 062 Einwohnerinnen und Einwohner, wie Peter Rüegger von der Stadtpolizei an der Tagung ausführte. 1999 lag diese Zahl noch bei 1889.

Damit war Ende 2006 in Zürich auf 83 Einwohnerinnen und Einwohner eine Sexworkerin registriert. Zum Vergleich: In Genf mit 185 000 Einwohnern und 1596 registrierten Prostituierten ist das Verhältnis eins zu 116. Die Zahl der nicht registrierten kommt in beiden Städten noch dazu.

Fachleute sind sich weitgehend einig: Verbote allein bringen keine Lösung. Es braucht mehr, da sonst die entsprechenden Tätigkeiten in den Untergrund gedrängt und damit Kriminalität gerade gefördert wird. Dies führten verschiedene Referenten an der Tagung der Konferenz der Städtischen Polizeidirektorinnen und Polizeidirektoren (KSPD) aus.

Ein Markt wie andere

«Unorthodoxe Lösungsansätze», wie die Zürcher Polizeivorsteherin und KSPD-Präsidentin Esther Maurer sagte, präsentierte Valentin Landmann. Der Zürcher Anwalt ist eine schillernde Persönlichkeit, dessen Mandanten häufig aus dem «Milieu» kommen.

Die Halb- und Unterwelt funktioniere genau gleich wie jeder andere Markt, sagte Landmann. Man wolle Geld verdienen. Um Moral gehe es nicht.

Verbote brächten für einen Unternehmer Risiken mit sich, welche sich auf die Kosten auswirkten. Diese würden meist auf die schwächsten Glieder abgewälzt, im Rotlichmilieu die Frauen. Wichtig sei, deren Selbstbestimmungsrecht zu schützen.

Dass die Sexbranche zur Konzentration neige, sei nicht anders als bei anderen Branchen: Auch etwa Banken und Juweliere seien dort tätig, wo ihre Kundschaft sei.

Entlasten könnte man die Wohngebiete durch die gezielte Freigabe von Gebieten, wo eine Konzentration der Sexdienstleistungen markttechnisch Sinn mache - eine Art «Klein Amsterdam». Das könne eine Industriebrache sein, wichtig sei, dass die nötige Infrastruktur, etwa Absteigen, vorhanden seien.

«Projekt Rotlicht»

In Zürich liegt das Rotlichtmilieu mitten in Wohnquartieren. Für die Bewohnerinnen und Bewohner wird es zunehmend zur Belastung. Mit dem neuartigen «Projekt Rotlicht» will die Stadt einen Ausweg finden.

Es soll zuhanden der politischen Behörden Vorschläge ausarbeiten, wie die Situation für die Wohnbevölkerung erträglich zu machen ist. Bis im Sommer 2008 soll laut Rüegger zumindest eine allgemeine Strategie vorliegen. (sda)

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