Prosyrische Demo: Halbe Million auf der Strasse
Aktualisiert

Prosyrische Demo: Halbe Million auf der Strasse

Das prosyrische Lager im Libanon hat sich am Dienstag nach wochenlangen Protesten der Opposition eindrucksvoll zurückgemeldet.

Eine halbe Million Menschen folgte dem Aufruf der Hisbollah und protestierte in Beirut gegen die Einmischung des Westens. Die USA und die Vereinten Nationen fordern den Abzug der syrischen Truppen sowie die Entwaffnung der Milizen. Hisbollah-Chef Scheik Hassan Nasrallah warnte Washington vor einem Militärschlag.

«Die Flotten sind schon ein Mal gekommen - und vernichtet worden», rief Nasrallah unter dem Jubel der gewaltigen Masse in der Innenstadt Beiruts. «Sie werden wieder vernichtet werden.» Bei Damaskus entschuldigte sich der Hisbollah-Chef für die antisyrischen Demonstrationen der vergangenen Wochen, an denen sich allerdings weit weniger Menschen beteiligt hatten. «Wir lehnen die Resolution 1559 ab», stellte er klar. Dabei handelt es sich um eine Entschliessung des UN-Sicherheitsrates, in der der Abzug der 14.000 syrischen Soldaten aus dem Libanon sowie die Auflösung der Milizen gefordert wird.

Auch Regierungsmitglieder beteiligten sich an der Kundgebung, zu der am Nachmittag noch immer mehr Menschen strömten. «Wir sind gekommen, um dem syrischen Präsidenten Baschar Assad unsere Dankbarkeit zu bezeugen», sagte Kabinettsminister Talal Erslan. Die Demonstranten schwenkten die rot-weisse Flagge mit der grünen Zeder. Über dem Platz hingen zwei riesige Fahnen mit den Aufschriften «Danke Syrien» und «Nein zu ausländischer Einmischung».

Wie bei den vorangegangenen Demonstrationen der Syrien-Gegner hielten die Menschen am Mittag eine Schweigeminute ein, um an die Ermordung von Exministerpräsident Rafik Hariri vor gut drei Wochen zu gedenken. Der Anschlag, für den Oppositionspolitiker Damaskus und die eigene Regierung mitverantwortlich machen, hatte den Ruf nach einem syrischen Truppenabzug anschwellen lassen.

Ungeachtet des Drucks der Opposition und der internationalen Gemeinschaft vereinbarten die Präsidenten Syriens und des Libanons am Montag keinen Termin für einen vollständigen Rückzug, sondern kündigten nur eine Verlegung der Truppen ins Bekaa-Tal nahe der syrischen Grenze bis Ende des Monats an.

Am Dienstag gab es noch keine Hinweise auf grössere Truppenbewegungen. Nur vereinzelt waren leere Busse und Lastwagen auf dem Weg nach Westen, möglicherweise, um Soldaten und Gerät aufzunehmen.

(sda)

Deine Meinung