Moléson-Projekt: Protest gegen Armee-Antenne zahlt sich aus
Aktualisiert

Moléson-ProjektProtest gegen Armee-Antenne zahlt sich aus

Freiburger Parlamentarier sind guten Mutes, dass die umstrittene 40-Meter-Antenne nie auf dem Moléson gebaut wird. Um den Druck auf das VBS aufrechtzuerhalten, rufen sie zur Demo auf.

von
A. Fumagalli

Vor zig Jahren – er konnte nicht wissen, dass sich unter seinen Rekruten ein zukünftiger Verteidigungsminister befindet – zeigte ein Armee-Kommandant auf den Gipfel des Moléson und versprach scherzeshalber allen Soldaten, die ihn benennen konnten, einen kurzen Urlaub. Ob der junge Ueli Maurer die Antwort wusste, ist nicht bekannt. Klar ist allerdings, dass dem SVP-Bundesrat seither bewusst ist, wie wichtig der charakteristische Gebirgsstock für die kulturelle Identität des Greyerzerlandes ist.

Der Aufschrei im Kanton Freiburg war entsprechend gross, als Ende letzter Woche bekannt wurde, dass das Verteidigungsdepartement (VBS) auf eben diesem Gipfel eine mit Warnlichtern versehene, 40 Meter hohe Empfangsantenne aufstellen will. Für Empörung sorgte notabene das Vorgehen des VBS, das – im Einklang mit dem im Armeegesetz verankerten nichtöffentlichen Baubewilligungsverfahren – weder die lokalen Behörden, noch die Bevölkerung in den Planungsprozess einbezogen hatte.

Ungewöhnliche Übereinstimmung der Parteien

Nachdem der Oberamtmann des Greyerzbezirks, Maurice Ropraz, die Polizei auffahren liess und einen sofortigen Baustopp des Projekts verfügte, wurde auch die Freiburger Bundeshausdelegation aktiv: Christian Levrat (SP), Jean-François Rime (SVP), Jacques Bourgeois (FDP), Marie-Thérèse Weber-Gobet (CSP) und Dominique de Buman (CVP) hatten gestern Nachmittag einen Termin bei VBS-Vorsteher Maurer und übermittelten ihm in ungewöhnlicher Übereinstimmung über die Parteigrenzen hinweg ihre Bedenken über das Riesenprojekt auf ihrem Hausberg.

Sie verliessen die Sitzung mit einem Lächeln auf dem Gesicht: Wie de Buman auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigte, scheint die Errichtung der Antenne auf dem Moléson in weite Ferne gerückt zu sein. «Ueli Maurer hat für unser Anliegen Verständnis gezeigt», so der CVP-Vizepräsident. Das VBS suche nun nach Alternativ-Standorten, gar eine Aufteilung der Antenne in verschiedene Einheiten werde geprüft. Maurer, der offenbar gar nicht direkt in die Planung des Projekts involviert war, habe zudem versprochen, künftig enger mit den Freiburger Behörden zusammenzuarbeiten.

«Alle Optionen offen»

Offiziell will man sich beim VBS noch nicht festlegen: «Es sind noch alle Optionen offen. Auch der Moléson ist weiterhin im Rennen», so Departementssprecherin Silvia Steidle. Es brauche nun Zeit, die verschiedenen Varianten zu prüfen. Spätestens im neuen Jahr werde man dem Freiburger Regierungsrat Vorschläge unterbreiten.

Damit das Thema bis dahin nicht in Vergessenheit gerät, will Christian Levrat die Bevölkerung mobilisieren. In Absprache mit den anderen Parteien des Greyerzerbezirks ruft der SP-Präsident zur Teilnahme an einer Kundgebung gegen die Moléson-Antenne am kommende Samstag im freiburgischen Bulle auf. VBS-Sprecherin Steidle sieht der Demo gelassen entgegen: «Vergessen Sie nicht, die Schweiz steckt im Wahlkampf.»

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Moléson vom Tisch - oder doch nicht?

Bezüglich der Endgültigkeit des Moléson-Rückzugs herrscht offenbar Verwirrung: Mit Verweis auf eine Mitteilung des Kantons Freiburg hat die Nachrichtenagentur SDA soeben vermeldet, dass das Militärdepartement «definitiv auf den Bau verzichte». VBS-Sprecherin Silvia Steidle widerspricht: «Das stimmt so nicht.» Sie hält an ihrer im Hauptartikel gemachten Aussage fest, gemäss der auch der Moléson weiterhin eine Option für die Empfangsantenne bleibt. (fum)

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