Kroatien: Protest gegen Gotovina-Urteil
Aktualisiert

KroatienProtest gegen Gotovina-Urteil

In Kroatien gehen nach der Verurteilung Ante Gotovinas für Kriegsverbrechen die Emotionen hoch. In Serbien protestierten derweil Zehntausende gegen die prowestliche Regierung.

Am 15. April hörten sich Gotovina-Anhänger eine Liveübertragung der Urteilsverkündung in Zagreb an.

Am 15. April hörten sich Gotovina-Anhänger eine Liveübertragung der Urteilsverkündung in Zagreb an.

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb haben am Samstag mehrere tausend Menschen gegen die Verurteilung des Ex-Generals Ante Gotovina durch ein UNO-Gericht protestiert. Bei den Demonstranten handelte es sich überwiegend um kroatische Kriegsveteranen, die den wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten Gotovina als Nationalhelden ehren.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien verhängte am Freitag in Den Haag wegen Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung in der serbischen Enklave Krajina im Jahr 1995 eine 24-jährige Haftstrafe gegen Gotovina. Der mitangeklagte Ex-General Mladen Markac wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt, während der frühere General Ivan Cermak freigesprochen wurde.

Nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens von Jugoslawien war die überwiegend von Serben bewohnte Krajina zunächst von serbischen Truppen besetzt worden, 1995 eroberte Kroatien das Gebiet zurück. Mehr als 300 Serben wurden bei der Rückeroberung getötet, mehrere Zehntausend wurden vertrieben.

Neuwahlen in Serbien gefordert

In Serbien haben am Samstag zehntausende Menschen vorgezogene Neuwahlen gefordert. Die Demonstranten, die Nationalflaggen und Banner bei sich trugen, verlangten in der Hauptstadt Belgrad das Ende der dem Westen nahestehenden Regierung. Die Opposition macht die Regierung für die schwierige Wirtschaftssituation im Land verantwortlich und wirft ihr Korruption vor.

Organisatoren der nationalistischen Fortschrittspartei in Serbien drohten damit, die Proteste so lange fortzusetzen, bis vorgezogene Wahlen angesetzt seien. Die Regierung wies die Forderungen zurück und sagte, vorgezogene Wahlen fänden erst statt, wenn Serbien wie angestrebt im Herbst in die EU aufgenommen werde.

Vor Beginn der Grosskundgebung am Samstag waren hunderte Polizisten im Gebiet um Regierungsgebäude im Zentrum Belgrads stationiert worden. (dapd)

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