Proteste, Kontrollen und Patrouillen an Buchmesse
Aktualisiert

Proteste, Kontrollen und Patrouillen an Buchmesse

Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse am Dienstagabend hat der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder dezidiert zum Dialog zwischen den Kulturen aufgerufen.

Trotzdem dominierten Proteste gegen die Gastregion arabische Welt den ersten Tag.

«Für uns geht heute ein Traum in Erfüllung», sagte der Generaldirektor der arabischen Kulturorganisation ALESCO, Mungi Bosneina, bei der Eröffnung des arabischen Gastlandauftritts. Auf grosses Interesse stiessen der labyrinthartig gestaltete Pavillon sowie die schmucklosen Bücherstände allerdings nicht. Zu wenige Messebesucher des Arabischen mächtig.

Menschenrechte

Schon am Morgen standen vor dem Haupteingang der Messe einige junge Männer mit Kippa und schwenkten israelische und amerikanische Fahnen. Dass die Arabische Welt zur Buchmesse eingeladen wurde, halten sie für einen Skandal. Detailliert zählten sie in einer Broschüre die Menschenrechtsverletzungen in der Region auf.

Etwas differenzierter stellte die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen das Problem in ihrer Pressekonferenz dar. «Die Machthaber in den arabischen Staaten unterdrücken die Pressefreiheit systematisch», sagte Astrid Frohloff, Vorstandsmitglied der Organisation. In keiner anderen Region sei die Lage für Journalisten so schlecht wie in der arabischen Welt.

Auf die Liste der «grössten Feinde der Pressefreiheit» setzte Reporter ohne Grenzen den libyschen Revolutionsführer Muammar el Gaddafi, das Herrscherhaus von Saudi-Arabien, den tunesischen Präsidenten Zine al-Abdin Ben Ali sowie den syrischen Staatschef Baschar el Assad. Die arabische Welt ist in diesem Jahr Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse.

Die Regierungen versuchten unliebsame Journalisten mit Todesdrohungen, Diffamierungskampagnen und Gefängnisstrafen zum Schweigen zu bringen. In Algerien etwa sitzen nach Angaben der Organisation derzeit vier Journalisten wegen regierungskritischer Publikationen in Haft.

Rechtschreibreform

Protestiert wurde an der Frankfurter Buchmesse - wie seit 1996 fast jedes Jahr - gegen die Rechtschreibreform. Rund 100 Autoren, Verleger und Wissenschaftler forderten deren Rücknahme.

In ihrem «Frankfurter Appell» riefen unter anderem Günter Grass, Siegfried Lenz, Sten Nadolny und Ilse Aichinger die Politik auf, weiteren Schaden von der deutschen Sprache und Literatur abzuwenden und nach «zunehmender Verwirrung das Experiment Rechtschreibreform zu beenden».

Initiator ist der als Rechtschreibrebell bekannt gewordene Deutschlehrer Friedrich Denk aus dem oberbayerischen Weilheim. An diesem Donnerstag wollen die Ministerpräsidenten bei ihrer Konferenz in Berlin über die Rechtschreibreform diskutieren.

Kontrollen

Für die Fachbesucher begann der erste Tag der Frankfurter Buchmesse mit einer Geduldsprobe. Viele mussten vom Sicherheitspersonal ihre Taschen durchleuchten oder öffnen lassen. «Business as usual», betonten die Veranstalter. Angst vor Anschlägen wegen des Ehrengastes Arabische Welt gebe es nicht mehr als sonst.

Dennoch fielen Polizeibeamte auf, die von Halle zu Halle patrouillierten. «Wir wollen Präsenz zeigen, den Besuchern das Gefühl der Sicherheit geben», sagte ein Beamter gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der Polizist mit persischer Abstammung nutzte seine kurze Auszeit, um im gähnend leeren Gastland-Pavillon nach Büchern für seine Kinder zu schauen.

(sda)

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