Apple-Zulieferer: Proteste wegen verkrüppelter Arbeiter

Aktualisiert

Apple-ZuliefererProteste wegen verkrüppelter Arbeiter

In Hongkong ist es zu lauten Protesten vor dem Apple-Store gekommen: Aktivisten demonstrierten gegen die miserablen Arbeitsbedingungen eines Apple-Zulieferers.

von
Andreas Bättig
Hongkong

Selbstmorde, keine Pausen, Unfälle mit schweren Verletzungen: Verbesserte Arbeitsbedingungen bei den chinesischen Apple-Zulieferern? Von wegen! Das macht auch die Geschichte eines Fabrikarbeiters deutlich: Qian Luo* ist derzeit nicht arbeitsfähig. Bei der Arbeit in der Fabrik von Apple-Zulieferer Biel Crystal, der etwa Glasoberflächen für iPhones fertigt, hat er sich nach eigenen Angaben mit dem Trennschleifer einen Zeh des rechten Fusses abgeschnitten. Dafür macht er seinen Arbeitsgeber verantwortlich: «Sie haben uns «keine Sicherheitsschuhe gegeben.»

Die Aktivistengruppe Sacom (Studenten gegen Fehlverhalten von Unternehmen)stellt eben diese miserablen Arbeitsbedingungen beim chinesischen Apple-Zulieferer an den Pranger. Am Montagnachmittag protestierten rund ein Dutzend von ihnen vor dem Apple-Megastore in einem Shoppingcenter in Hongkong.

«No more iSlave», «Biel Crystal - Bloody Crystal» oder «Respect Labour Rights» (Respektiert die Arbeitsrechte) stand auf Plakaten, die die Aktivisten vor dem Laden ausgebreitet hatten. Die Demonstranten forderten mittels Lautsprechern die Mitarbeiter des Apple-Ladens auf, herauszukommen, um ein Protestschreiben entgegenzunehmen. «Wir sind hierhergekommen, um die Arbeitsrechte in China zu verteidigen», sagt ein Sprecher der Aktivisten, der lieber anonym bleiben will.

Einen Tag pro Monat frei

Die Studenten hätten den Apple-Zulieferer Biel Crystal in China investigativ überprüft. Rund 60 Prozent der iPhone-Touchscreen-Gläser stammen von dieser Firma. «Dabei stellten wir fest, dass die Arbeiter elf Stunden am Tag arbeiten müssen und das während sieben Tagen die Woche. Im Monat haben sie gerade mal einen Tag frei.»

Auch hätten sich seit dem Jahr 2011 mindestens fünf Menschen wegen der Arbeitsbedingungen das Leben genommen. «Es kommt auch immer wieder zu furchtbaren Arbeitsunfällen. So passierte es schon, dass Arbeitern von den Maschinen Hände abgetrennt wurden», so der Sprecher.

Selbstmord-Serie bei Foxconn 2010

Vom Apple-Store wollte niemand das Protestschreiben der Studenten entgegennehmen. Zwar gelang es den Aktivisten, einen Zettel an das grosse Apple-Logo zu hängen, dieser wurde aber von einem Apple-Mitarbeiter rasch wieder entfernt. Die Studenten der Sacom zogen sich danach friedlich zurück. Die Security des Shoppingcenters liess sie gewähren. Die Polizei war nicht vor Ort.

Bereits 2010 gerieten Apple und seine chinesischen Zulieferer in unrühmliche Schlagzeilen: Damals war ans Licht gekommen, dass die unmenschlichen Arbeitsbedingungen bei Hauptzulieferer Foxconn mehrere Arbeiter in den Selbstmord getrieben hatten. Apple wollte daraufhin die Arbeitsbedingungen in seiner Zulieferkette verbessern und trat der «Fair Labor Association» bei. Diese schickte regelmässig Kontrolleure in die chinesischen Fabriken. Derlei Stichproben scheinen, wie sich jetzt erneut bei Biel Crystal zeigt, nicht auszureichen.

Bei Apple Schweiz verweist man auf den aktuellen Fortschrittsbericht, der transparent alle Zulieferer aufliste. Dass noch Nachholbedarf besteht, scheint sich Apple bewusst. So heisst es unter dem Punkt «Sicherheit» am Arbeitsplatz: «An 88 Standorten wurde den Arbeitern keine persönliche Schutzausrüstung bereitgestellt. An 53 Standorten erfüllte die den Arbeitern bereitgestellte Schutzausrüstung

nicht die entsprechenden Standards.

So wurden zum Beispiel an Arbeitsplätzen,an denen Staubschutzmasken angebracht

gewesen wären, nur normale Baumwollmasken ausgegeben.»

* Name geändert

Der Protest vor dem Apple-Store:

(Video: Andreas Bättig)

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