Aktualisiert 23.04.2014 20:25

Demo in Aarburg

Protestgrillieren gegen Asylbewerber

Am 1. Mai sollen in Aarburg AG 90 Asylbewerber in eine frisch renovierte Liegenschaft einziehen. Doch Gemeinderat und Einwohner kochen vor Wut.

von
vro
Die Einwohner von Aarburg AG wollen die geplante Asylunterkunft verhindern und gehen dafür auf die Barrikaden.

Die Einwohner von Aarburg AG wollen die geplante Asylunterkunft verhindern und gehen dafür auf die Barrikaden.

Die Stimmung in Aarburg ist angespannt. Bereits ab nächstem Monat will der Kanton ohne vorherige Absprache mit der Gemeinde 90 Asylbewerber in einer frisch renovierten Unterkunft unterbringen. Doch die Gemeinde wehrt sich vehement dagegen. «Aarburg hat im Asylwesen sein Soll schon mehr als erfüllt. Das Städtchen verkraftet keine weiteren Asylunterkünfte», heisst es in einer Mitteilung des Gemeinderats. Mit der Inbetriebnahme der neuen Unterkunft würde sich die Zahl der Asylbewerber auf bis zu 124 Personen erhöhen. Damit beherberge Aarburg rund 10 Prozent aller Asylbewerber des Kantons. Schon jetzt hat das Städtchen einen Ausländeranteil von 42 Prozent, darunter sind auch viele ehemalige Asylbewerber.

Um weitere Asylbewerber sollen sich deshalb andere kümmern. «Es hat noch viele Gemeinden, die sich zieren und nicht vorwärtsmachen wollen. Die sollen nun ihre Tore öffnen», sagt Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär. Die Gemeinde fürchtet eine Ghettobildung und das Entstehen von Parallelgesellschaften nicht integrierter Ausländergruppen. «Wir sind überrascht und vor den Kopf gestossen. Der Kanton hatte uns zugesichert, Aarburg keine weiteren Asylbewerber, schon gar nicht Familien mit Kindern, zuzuweisen», sagt Schär. Mit der Unterkunft drohe eine erhöhte Verschuldung des Städtchens. Ausserdem könnten potenzielle Interessenten an hochwertigen Wohnungen um das Asylzentrum abgeschreckt werden.

Zum Protestgrillieren aufgerufen

Schär warnt in einem Interview mit Radio Argovia vor einem zweiten Bettwil. 2011 haben sich die Einwohner der Aargauer Gemeinde ebenfalls mit Händen und Füssen gegen eine geplante Asylunterkunft gewehrt. Mit verschiedenen massiven Protestaktionen konnte das Zentrum damals verhindert werden. Auch in Aarburg sind diverse Aktionen geplant. Hunderte Einwohner des Städtchens haben bereits ihren Frust öffentlich gemacht. Auf Facebook wird zu einem Grillfest aufgerufen, bei dem man demonstrieren wolle. Die Aktion findet am Donnerstag statt, wenn Susanne Hochuli (Grüne), die zuständige Vorsteherin des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales (DGS), von den Protestierenden vor Ort erwartet wird.

DGS-Sprecher Balz Bruder dementiert den Termin. «Sie wird am Donnerstag nicht vor Ort sein.» Für die Situation in Aarburg hat Bruder teilweise Verständnis. «Ich kann verstehen, dass die Einwohner gegen ein Asylzentrum sind – darum reisst sich niemand. Wir haben uns Aarburg nicht als Standort ausgesucht, vielmehr müssen wir aufgrund fehlender Unterbringungsplätze die Liegenschaften anmieten, die auf dem Markt sind.» Die Anwohner werde man über Details informieren, bevor die Unterkunft in Betrieb genommen werde. Ob es zu Protesten kommen wird, wie man sie von Bettwil kennt, darüber will Bruder nicht spekulieren. «Das ist nicht meine Aufgabe, es geht darum, eine gesetzliche Aufgabe sachlich zu lösen.»

Die empörten Einwohner wurden trotzdem dazu aufgerufen, ihrem Frust bei Hochuli Luft zu machen. Auch den Namen des Liegenschaftsbesitzers haben wütende Aarburger publiziert. An einzelnen Balkonen in Aarburg hängen zudem Plakate mit Protestbekundungen. «Jetzt müssen wir noch mehr Angst haben um unsere Kinder. Müssen wir uns das wirklich gefallen lassen? Es ist zum Schreien», schreibt eine besorgte Aarburgerin auf Facebook. Für die Gemeinde steht deshalb fest: «Wir nehmen Anteil am menschlichen Elend dieser Welt und haben daher unser Soll bei der Aufnahme von Asylbewerbern bereits und gern erfüllt. Jetzt ist Schluss.»

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