Aktualisiert 29.07.2014 12:49

Markus Rehm

Prothesen-Athlet will EM-Start nicht einklagen

Darf er oder darf er nicht an der EM starten? So viel steht zumindest fest: Der behinderte deutsche Weitspringer Markus Rehm will sich dieses Recht nicht vor Gericht erstreiten.

von
Marcel Allemann

Mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels im Weitsprung am Samstag und der Erfüllung der Norm für die EM in Zürich (12. bis 17. August) sorgt der unterschenkelamputierte Topathlet Markus Rehm in Leichtathletikkreisen derzeit für rote Köpfe.

Ursprünglich wollte der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) sein EM-Aufgebot am Dienstag bekannt geben. Der Termin wurde dann auf Mittwoch verschoben, wahrscheinlich um nochmals intensiv über den «Fall Rehm» zu befinden.

Der Streitpunkt: Hat Rehm mit seiner federnden Karbonprothese beim Absprung einen Wettbewerbsvorteil? Die Meinungen dazu gehen auseinander und eine schlüssige Antwort wird man - wenn überhaupt - erst in einigen Monaten erhalten. So lange soll eine seriöse biomechanische Untersuchung dauern, die am Samstag aufgenommen wurde.

Rekordsprung bereits offiziell anerkannt

Der 25-Jährige dürfte daher am Mittwoch vom DLV nominiert werden. Zum Entscheidungsträger wird der Internationale Leichtathletikverband IAAF. Rehms Chancen scheinen nicht schlecht zu stehen, immerhin hat die IAAF Rehms Sprung auf 8,24 m vom Samstag inzwischen offiziell anerkannt.

Damit ist der behinderte Weitspringer nun die Nummer 9 der Weltjahresrangliste der nicht-handicapierten Weitspringer und die Nummer 6 in Europa, was ihn für Zürich sogar zum Medaillenkandidaten machen würde. Unbestritten ist, dass Rehm für die EM im Letzigrund allein schon aufgrund der aktuell riesigen medialen Beachtung eine Attraktion wäre.

«Die anderen Athleten waren sehr fair zu mir»

Markus Rehm, der als 14-Jähriger beim Wakeboarden schwer verunfallte, wobei sein rechtes Bein in in eine Schiffsschraube geriet, hat inzwischen angekündigt, dass er im Fall eines negativen Entscheides den EM-Start nicht vor Gericht erzwingen will: «Dazu habe ich keine Lust. Zudem waren die anderen Athleten zu mir unglaublich fair. Das möchte ich zurückgeben, ich stehe ihnen gegenüber in der Pflicht.»

Damit unterscheidet sich der aufgestellte deutsche Topathlet schon einmal von seinem prominenten Prothesen-Vorgänger Oscar Pistorius, der aktuell wegen dem Prozess zum Mord an seiner Freundin Reeva Steenkamp ins Zwielicht geraten ist. Der südafrikanische 400-m-Läufer mit Unterschenkel-Prothesen an beiden Beinen hatte sich seinen Start bei der WM 2011 und Olympia 2012 erstritten.

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