19.06.2015 15:34

Künstliche HautProthesen sollen bald absolut gefühlsecht sein

Wissenschaftler wollen eine Prothese entwickeln, mit der man genauso fühlen kann wie mit einer gesunden Hand.

von
Claudia Hoffmann
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Mit heute existierenden Prothesen ist es schwierig, ein rohes Ei zu greifen, ohne es kaputtzumachen - weil man nicht spürt, wie fest man zudrückt.

Mit heute existierenden Prothesen ist es schwierig, ein rohes Ei zu greifen, ohne es kaputtzumachen - weil man nicht spürt, wie fest man zudrückt.

Arteplus.ch/Giampaolo Possagno
Ändern sollen das neuartige Prothesen: Ein Netzwerk von Drucksensoren an der Hand leitet die Empfindung an den Armstumpf des Trägers weiter.

Ändern sollen das neuartige Prothesen: Ein Netzwerk von Drucksensoren an der Hand leitet die Empfindung an den Armstumpf des Trägers weiter.

Universität Lund/C. Antfolk

Bereits heute existieren erste Prothesen, die Berührungen wahrnehmen können. So präsentierten österreichische Forscher vergangene Woche eine Beinprothese, mit der der Träger unterscheiden kann, ob er auf Schotter oder Rasen geht. Und letztes Jahr entwickelte die Schweizer ETH in Lausanne eine Handprothese, mit der man wahrnimmt, ob man einen harten oder weichen Gegenstand greift.

«Von einer natürlichen Empfindung sind heutige Modelle aber noch weit entfernt», sagt John Farserotu, Ingenieur am Schweizer Forschungs- und Entwicklungszentrum CSEM. Der Grund: Während ein Quadratzentimeter Haut an den Fingerkuppen über 150 berührungsempfindliche Stellen besitzt, enthalten die meisten fühlenden Prothesen nur einige wenige Drucksensoren.

Natürliche Empfindungen zurückgeben

Dies will Farserotu nun zusammen mit Wissenschaftlern verschiedener Schweizer Hochschulen ändern. Die Forscher entwickeln eine Art künstlicher Haut, die ein dichtes Netz von Sensoren enthält und sich wie ein Handschuh über eine Prothese stülpen lässt (siehe Box). «Ziel ist es, den Betroffenen

damit die natürliche Empfindung wieder zurückzugeben», sagt Projektleiter Farserotu. Dies hat mehrere Vorteile: Prothesenträgern fällt es dadurch leichter, mit zerbrechlichen Gegenständen zu hantieren, beispielsweise ein rohes Ei zu greifen. Ausserdem nehmen sie die Prothese stärker als einen Teil ihres eigenen Körpers wahr.

Bis Amputierte von der künstlichen Haut profitieren können, wird es allerdings noch eine Weile dauern: Der Prototyp einer Handprothese soll im Herbst vorliegen, ein fertiges Produkt in frühestens fünf Jahren.

Fühlen mit dem Armstumpf

Die Drucksensoren in der Prothese wandeln Berührungen in elektrische Impulse um. Diese lassen sich über verschiedene Wege an den Träger übermitteln – beispielsweise über Vibrationen, die er an seinem Armstumpf wahrnimmt. Werden bestimmte Stellen auf dem Stumpf berührt, kann sich das für Betroffene so anfühlen, als berühre man sie beispielsweise am Daumen oder einem anderen Finger. Denn viele Amputierte spüren ihre verlorene Hand noch im verbleibenden Stumpf.

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