Aktualisiert 08.10.2018 06:06

Gesperrter Daprelà eingesetzt

Provokation oder sportlich vertretbar?

Die Nomination von Verteidiger Fabio Daprelà in der Startelf gegen GC war vom FC Lugano unsensibel.

von
ete

GC-Goalie Heinz Lindner über seinen Patzer und den wichtige Sieg gegen Lugano. (Video: 20 Minuten)

Beim Lesen der Startformationen vor Spielbeginn zwischen GC und Lugano erlebte man eine Überraschung. Am Donnerstag hatte die Disziplinarkommission der Swiss Football League Fabio Daprelà für sechs Spiele gesperrt. Am Sonntag stand der Lugano-Verteidiger in der Startelf. Eine Provokation oder der sportlichen Not bei den Tessinern geschuldet? Die Tessiner blieben die Antwort schuldig. Fragen dazu waren nicht erwünscht. Und auch Daprelà äusserte sich auf Cluborder nicht dazu.

Zur Erinnerung: Am 23. September streckte Daprelà beim 2:2 gegen St. Gallen Cedric Itten ohne Rücksicht auf Verluste in einem Zweikampf nieder. Der FCSG-Stürmer erlitt einen Kreuz- und Innenbandriss am rechten Knie. Er fällt monatelang aus. Im Spiel blieb die Aktion ungeahndet. Nachträglich taxierte die Disziplinarkommission das üble Einsteigen als «grobes Foulspiel mit einem hohen Grad an Skrupellosigkeit und Brutalität» und sperrte den Spieler.

Der Rekurs ist unsensibel

Dem Reglement entsprechend kann den Tessinern kein Vorwurf gemacht werden, Daprelà eingesetzt zu haben. Der Entscheid kann innert 5 Tagen beim Rekursgericht der SFL angefochten werden. Während dieser Frist, die am Montag abläuft, ist der Entscheid nicht rechtskräftig und deshalb war der Spieler im Letzigrund spielberechtigt. Und auch sportlich ist nachvollziehbar, wenn man in der Krise auf seine besten Elf setzt. Aber die Entscheidung den 27-Jährigen einzusetzen, war dennoch unsensibel und es hätte für die Moral des FC Lugano gesprochen, hätte man darauf verzichtet.

Natürlich wird Itten nicht schneller gesund, wenn Daprelà nicht spielt. Aber sagte er nicht, er akzeptiere jede Strafe? Im November 2014 kassierte einst Sandro Wieser, damals Spieler beim FC Aarau, ebenfalls sechs Spielsperren. Er hatte FCZ-Spieler Gilles Yapi das Knie bei einer schlimmen Attacke zertrümmert. Sowohl der FC Aarau als auch Wieser akzeptierten das Urteil und legten keinen Rekurs ein. «Aus Respekt gegenüber Yapi und Rücksicht auf Sandro Wieser», wie der Club damals mitteilte.

Der psychische Druck war gross

Ob Lugano Daprelà mit dem Rekurs einen Gefallen machte, sei dahingestellt. Was wäre gewesen, wenn es wieder einen Vorfall mit dem Verteidiger, der sowieso schon den Ruf weg hat, nicht zimperlich zu sein, gegeben hätte? Auf dem 27-Jährigen lastete unheimlich viel psychischer Druck. Wäre wieder etwas passiert, hätte das wohl das Ende seiner Karriere in der Schweiz bedeutet. Er wäre definitiv zum Buhmann abgestempelt gewesen. So war auch sein Auftritt gegen GC. Daprelà wirkte gehemmt, hielt sich in Zweikämpfen zurück und spielte, als er wäre er im Kopf nicht frei. Das wiederum überraschte gar nicht.

Itten mit Kreuzbandriss

Der FC St. Gallen muss mindestens für ein halbes Jahr auf Stürmer Cedric Itten verzichten. Der 21-jährige Stürmer hat sich bei einem harten Tackling von Fabian Daprelà einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen. (Video: SRF)

GC schlägt Lugano 2:1

Nach zwei Niederlagen gewinnt GC in der 10. Runde gegen den FC Lugano 2:1. Das sagen Arlind Ajeti und David Da Costa zum Spiel. (Video: 20 Minuten)

Das sagen Arlind Ajeti und David Da Costa zum Spiel. (Video: 20 Minuten)

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