Aktualisiert 07.06.2007 10:46

Prozess-Entschädigungen überraschen Gewerkschaften

Die Freisprüche im Swissair-Prozess überraschen die ehemaligen Arbeitnehmer der Fluggesellschaft nicht. Erstaunt ist man aber über die Höhe der Entschädigungen.

«Obwohl diese Entschädungen rechtens sind, ist das Urteil für die kleinen Leute schwer zu verstehen.», sagte Urs Eicher, Präsident des Swiss Kabinenpersonalverbands (Kapers). Man hoffe deshalb, mit finanziellen Forderungen in den Zivilprozessen durchzukommen, sagte Eicher am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Dort sei die Hürde niedriger, da den Angeklagten kein Vorsatz für eine Schädigung des Flugkonzerns nachgewiesen werden müsse. Strafrechtlich hätten sich die Freisprüche dagegen abgezeichnet.

Im Korsett des Strafrechts

Auch für Christoph Ulrich, Geschäftsführer der Gewerkschaft der ehemaligen Swissair-Pilioten Aeropers, war das Urteil absehbar: «Der Prozess lag in einem engen strafrechtlichen Korsett.» Die Erwartungen seien daher bereits im Vorfeld des Prozesses klein gewesen.

«Misswirtschaft wird halt nicht bestraft», sagte Eicher. Dass der ehemalige Konzernchef Mario Corti freigesprochen worden sei, habe auf der Hand gelegen: «Corti liess uns im Gegensatz zum Verwaltungsrat nicht hängen.»

Frage der Moral

Die damaligen Entscheide des Verwaltungsrats seien dagegen «moralisch stossend» gewesen, sagt Eicher. «Doch leider ist die Moral in einem Strafprozess nicht messbar.»

Für Ulrich war das Grounding der Swissair unbestritten der grösste Wirtschaftsskandal der Schweiz: «Kein Verfahren und keine Diskussion können dies rückgängig machen.» Inzwischen sei aber auch einige Zeit vergangen, man habe das Grounding verarbeitet. «Für viele von uns ist das Kapitel Swissair abgeschlossen.»

(sda)

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