Aktualisiert 25.09.2014 10:48

Boston-Attentäter

Prozess gegen Bomber findet erst 2015 statt

Seine mutmasslichen Taten sind beinahe eineinhalb Jahre her - dennoch wird Dschokar Zarnajews Prozess nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon weiter hinausgezögert.

Der Auftakt des Prozesses gegen den mutmasslichen Attentäter des Boston-Marathons wird um zwei Monate verschoben, aber nach wie vor in Boston stattfinden. Statt am 3. November werde die Verhandlung gegen Dschokar Zarnajew erst am 5. Januar kommenden Jahres beginnen, sagte der Richter George O'Toole am Mittwochabend (Ortszeit). Eine von der Verteidigung erhoffte Verlegung nach Washington D.C. werde es aber nicht geben.

O'Toole dementierte, dass eine Anfrage der Verteidiger Zarnajews Grund für die Verschiebung sei. Die Anwälte hatten um einen Aufschub bis zum September 2015 gebeten, weil eine ausreichende Vorbereitung auf den Fall bis November nicht zu bewerkstelligen sei. Ausserdem forderten sie aufgrund der öffentlichen Stimmung in Boston eine Verlegung des Verfahrens in die US-Hauptstadt Washington.

Es gebe keinen Grund zur Annahme, man könne im US-Staat Massachusetts keine gerechte Jury für den Prozess gegen den Verdächtigen finden, sagte O'Toole. Die Verteidigung habe es nicht geschafft, ausreichend zu begründen, warum es durch die intensive Berichterstattung der Medien in dem Fall zu Voreingenommenheit der möglichen Juroren kommen sollte, schrieb der Richter. Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten sich Mitte September darauf geeinigt, die zwölf Geschworenen und sechs Ersatzpersonen aus insgesamt 2000 Kandidaten auszuwählen.

Als Grund für die Verzögerung nannte O'Toole stattdessen den grossen Umfang von möglichen Beweismittel, die in dem Fall geprüft werden müssten. Er stellte aber auch fest: «Ein weiterer Aufschub, wie er von dem Beklagten verlangt wurde, erscheint nicht notwendig.»

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-jährigen Zarnajew und seinem auf der Flucht getöteten älteren Bruder Tamerlan vor, im vergangenen Jahr Bomben nahe der Ziellinie des Traditionslaufs platziert zu haben. Drei Menschen waren bei dem Anschlag im April 2013 ums Leben gekommen, mehr als 260 wurden verletzt. Im Falle einer Verurteilung droht Zarnajew die Todesstrafe. (sda)

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