Schlingen an Bäumen: Prozess gegen die «Jena Six» abgeschlossen
Aktualisiert

Schlingen an BäumenProzess gegen die «Jena Six» abgeschlossen

Drei Jahre nach einer Schlägerei an einer Schule im US-Staat Louisiana ist der von Bürgerrechtlern aufmerksam verfolgte Prozess mit Berufungsstrafen zu Ende gegangen. Das Verfahren gegen die «Jena Six» war Anlass für mehrere Demonstrationen und Warnungen vor rassistischen Tendenzen.

Richter Tom Yeager verurteilte fünf der Angeklagten wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe von sieben Tagen auf Bewährung und der Zahlung der Verfahrenskosten von jeweils 500 Dollar (355 Euro). Zuvor erklärten sich die Angeklagten mit dieser Entscheidung einverstanden. Ein weiterer Angeklagter war nach einem Schuldgeständnis im Dezember 2007 bereits zu 18 Monaten Haft verurteilt worden.

Ursprünglich waren die sechs schwarzen Schüler wegen Mordversuchs angeklagt. Dabei ging es um einen Angriff auf einen weissen Mitschüler als Höhepunkt einer im August 2006 begonnenen Kontroverse. Damals fragte ein schwarzer Schüler den Schuldirektor, ob auch Schwarze im Schatten unter einem Baum sitzen könnten, der bei weissen Schülern als Treffpunkt beliebt war. Der Direktor bestätigte dies, doch am nächsten Tag hingen Schlingen an dem Baum - eine gefürchtete Drohung aus der Zeit regelmässiger rassistischer Übergriffe in den Südstaaten. Drei weisse Schüler wurden suspendiert, aber nicht strafrechtlich verfolgt.

«Ich danke Gott, dass alles vorbei ist», sagte der Vater eines angeklagten Schülers, John Jenkins. «Das war eine lange, schmerzhafte Reise für alle auf beiden Seiten dieser Angelegenheit.» Inzwischen haben vier der am Freitag Verurteilten die Schule bereits abgeschlossen und bereiten sich auf ihr Studium vor oder haben dieses bereits aufgenommen.

«Jeder hat mit dem Finger auf Jena gezeigt», sagte einer der Verteidiger der «Jena Six», David Utter. «Aber das passiert afro-amerikanischen Männern immer wieder im ganzen Land. Diese jungen Männer hatten Glück, dass sich die Leute gekümmert und Geld gespendet haben, so dass sie sich gute Anwälte leisten konnten. Das hat den Unterschied ausgemacht.» (dapd)

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