Arztzeugnis nach Unfall: Prozess gegen «falschen Zahnarzt» abgebrochen
Aktualisiert

Arztzeugnis nach UnfallProzess gegen «falschen Zahnarzt» abgebrochen

Heute hätte die Einvernahme des Zahntechnikers erfolgen sollen. Doch der Angeklagte erschien nicht vor Gericht: Er ist im Spital.

Der Prozess gegen den falschen Zahnarzt musste am Dienstagmorgen unterbrochen werden. Der Angeklagte erschien nicht zu seiner Einvernahme.

Der Prozess gegen den falschen Zahnarzt musste am Dienstagmorgen unterbrochen werden. Der Angeklagte erschien nicht zu seiner Einvernahme.

20 Minuten/nc

Der Prozess gegen den mutmasslich falschen Zahnarzt von Biel ist am Dienstag abgebrochen worden. Der Angeklagte sei verunfallt und eine Woche lang nicht mehr einvernahmefähig, hiess es am Dienstagnachmittag am Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel.

Schon am Dienstagvormittag war der Prozess gegen den 53-jährigen Zahntechniker unterbrochen worden, nachdem der Mann nicht aufgetaucht war. Das Gericht hätte ihn am Dienstagmorgen längere Zeit einvernehme wollen.

Im Spital

Gerichtspräsident Markus Gross sagte am Morgen, er habe einen Anruf von der Polizei erhalten. Es sei eine Intervention beim Angeklagten nötig gewesen. Der Mann sei im Spital. Und der Verteidiger des Mannes gab bekannt, noch am Montagabend habe er mit dem Mann den weiteren Verlauf des Prozesses besprochen. Schon damals habe der Zahntechniker gesagt, er fühle sich nicht gut.

Am Nachmittag gab dann Gross bekannt, es liege ein Arztzeugnis vor. Darin bescheinige ein Arzt eine mindestens einwöchige Arbeits- und Einvernahmeunfähigkeit. Und der Verteidiger sagte am Rand des Prozesses den anwesenden Journalisten auf Anfrage, der Mann liege nach wie vor im Spital. Es handle sich um einen Unfall im Haus des Angeklagten. Die Polizei habe wegen dieses Unfalls interveniert.

Ob der Unfall etwas mit dem Unwohlsein zu tun habe, von dem ihm der Angeklagte am Montagabend berichtet hatte, wisse er nicht, so Rechtsanwalt Urs Wüthrich weiter.

Neuer Prozess wohl erst 2016

Gerichtspräsident und die Parteivertreter besprachen am Dienstagnachmittag kurz, ob es möglich wäre, den Prozess statt abzubrechen eine Woche lang zu unterbrechen. Doch sahen Gerichtspräsident und Verteidigung zu grosse Schwierigkeiten, ein neues, für alle passendes Programm zusammenzustellen.

Wüthrich machte klar, dass es aus seiner Sicht nötig ist, dass der Angeklagte bei der weiteren Einvernahme von Zeugen anwesend ist. Auch am Dienstagnachmittag und Mittwoch hätten gemäss Verhandlungsprogramm Zeugen einvernommen werden sollen. Am Donnerstag standen die Plädoyers auf dem Programm, die Urteilsverkündigung sollte am 6. November stattfinden.

Der neue Prozess werde wohl kaum mehr in diesem Jahr stattfinden, sagte Gross.

Der schweren Körperverletzung angeklagt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Zahntechniker vor, sich längere Zeit als Zahnarzt ausgegeben und unerlaubterweise zahnmedizinische Behandlungen ausgeführt zu haben. Durch unsachgemässe Behandlungen habe der Mann mehrere Menschen schwer geschädigt.

Die Anklage lautet unter anderem auf schwere Körperverletzung, eventuell als Versuch oder einfache Körperverletzung zu werten, und einfache Körperverletzung. Doch auch des Betrugs, eventuell Veruntreuung, der Urkundenfälschung und der Widerhandlungen gegen kantonale und eidgenössische Gesetze soll sich der Mann laut Anklage schuldig gemacht haben.

Der Prozess gegen den Zahntechniker hatte am Montagmorgen begonnen. Am Montag belasteten mehrere Kläger und Zeugen den Mann. Zwei Klägerinnen erzählten teilweise unter Tränen, wie sie nach zahnärztlichen Behandlungen durch den Mann Schmerzen litten. Sie mussten sich in der Folge Nachbehandlungen unterziehen.

(sda)

Deine Meinung