Guantánamo: Prozess gegen Kindersoldaten beginnt
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GuantánamoProzess gegen Kindersoldaten beginnt

Heute beginnt im umstrittenen Gefangenenlager auf Kuba der Prozess gegen den jüngsten Guantánamo-Insassen. Bei seiner Verhaftung war Omar Khadr erst 15.

Bei seiner Gefangennahme war er erst 15 Jahre alt: Mit der Auswahl einer Jury begann am Dienstag in Guantánamo Bay das Sondertribunal gegen den «Kindersoldaten» Omar Khadr.

Der gebürtige Kanadier soll 2002 in Afghanistan einen US-Soldaten während eines Gefechts getötet haben. Er ist heute 23 Jahre alt, acht Jahre seines Lebens hat er im US-Gefangenenlager Guantánamo Bay auf Kuba verbracht.

Khadr erschien zum Prozessauftakt in westlicher Kleidung mit Krawatte. Am Montag hatte der zuständige Militärrichter entschieden, dass eine Reihe von Schuldgeständnissen Khadrs während der Gefangenschaft im Prozess verwendet werden dürfen.

Vergewaltigung angedroht

Die Verteidigung hatte geltend gemacht, dass Khadr bei Verhören schwer misshandelt worden sei und daher gesagt habe, «was man von ihm hören wollte».

Im April hatten US-Agenten und Verhörbeamte des Militärs vor Gericht zugegeben, mit Techniken wie Schlafentzug und unbequemen Positionen Druck auf Khadr ausgeübt zu haben. Einer der Befragten gab zu, dass er dem Kanadier mit Vergewaltigung gedroht habe.

Am ersten Verhandlungstag in Guantánamo standen die Auswahl der Geschworenen und andere Verfahrensfragen im Mittelpunkt. Mit einem Urteil wurde in etwa drei Wochen gerechnet. Khadr droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Erste Verurteilung in Obamas Amtszeit

Bereits kurz vor Beginn des Khadr-Prozesses hatte es die erste Verurteilung eines Guantánamo-Insassen seit Obamas Amtsübernahme gegeben. Ankläger, Verteidiger und Militärrichter verständigten sich am Montag auf eine Freiheitsstrafe für den ehemaligen Koch von Terroristenchef Osama bin Laden, Ibrahim Mohammed Al-Qosi.

Der 50-jährige Sudanese hatte im Juli zugegeben, Ende der 1990er Jahre Osama bin Laden in afghanischen Al-Kaida-Lagern unterstützt zu haben. Al-Qosi war 2001 in Afghanistan festgenommen worden und sitzt seit 2002 in Guantánamo. Er soll Bin Laden auch als Leibwächter und Fahrer gedient haben.

Weil Al-Qosi sich freiwillig schuldig bekannte, wurde ein Prozess vermieden. Das Strafmass wurde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten, wie die zuständige Militärrichterin und die Verteidiger sagten.

Abschiebung nach Haft

Bekannt wurde aber, dass Al-Qosi seine Strafe im Minimum- Sicherheitstrakt in Guantánamo Bay verbüssen soll. Dort leben Gefangene in Gruppen zusammen. Nach arabischen Medienberichten soll Al-Qosi dort zwei Jahre festgehalten und dann in seine Heimat abgeschoben werden.

Offiziell muss jetzt noch eine Jury über das Strafmass entscheiden. Weicht es von der ausgehandelten Strafe ab, gilt die mildere Version. (sda)

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