Zürich: Prozess gegen Millionenbetrüger eröffnet
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ZürichProzess gegen Millionenbetrüger eröffnet

Ein Grossbetrüger aus dem Zürcher Rotlicht-Milieu hat mit getürkten Heizölgeschäften, geleasten Autos und ausgeliehenen Luxuskleidern Beträge in Millionenhöhe ertrogen.

von
Attila Szenogrady

Nun droht ihm eine hohe Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren.

«Nach altem Recht wären sie bestimmt verwahrt worden», erklärte der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli dem heute 57-jährigen Hauptangeklagten anlässlich der Prozesseröffnung vom Mittwoch. Der in St. Gallen geborene Hochstapler fiel durch eine aussergewöhnliche Biographie auf. So führte der Sohn eines Ostschweizer Polizeikommandanten lange Zeit ein unauffälliges Leben. Unter anderem arbeitete er bei mehreren grossen Tageszeitungen als braver Korrektor.

Unbelehrbarer Berufsbetrüger

Der grosse Einschnitt kam, als der Angeklagte im Alter von 35 Jahren einen Escort-Service eröffnete und damit ins Zürcher Rotlicht-Milieu einstieg. Dabei lernte er die Lebensweise von Figuren wie Felix Drittenbass kennen. Was bedeutete, mit regelmässigen betrügerischen Machenschaften ein luxuriöses Dasein zu finanzieren. Allerdings hatte die Kehrwende seinen Preis: Der Angeklagte kassierte schon bald einmal die ersten, unbedingten Zuchthausstrafen. Noch schlimmer: Er entwickelte sich zu einem unbelehrbaren Berufsbetrüger.

Erneut Millionenbeträge ertrogen

Am Mittwoch stand der Angeklagten erneut vor Gericht. Zusammen mit mehreren Komplizen, welche sein System gestützt haben sollen. Drei Anklageschriften von über 100 Seiten lasteten dem Kaufmann zahlreiche betrügerische Delikte an. Zuerst mit der serienweise Bestellung von Heizöl, das er gewinnbringend weiterverkaufte und die Lieferanten jeweils ohne Bezahlung im Regen stehen liess. Der gesamte Schaden betrug rund eine halbe Million Franken.

Noch bunter trieb es die Milieu-Figur mit dem Verkauf von geleasten Autos. Im Bunde mit Felix Drittenbass, der letztes Jahr verstorben ist. Der Deliktsbetrag ging in die Millionenhöhe. Der Ex-Korrektor war sich auch nicht zu schade, in mehreren Zürcher Warenhäusern diverse teure Kleidungsstücke für angebliche Modeschauen auszuleihen und danach spurlos zu verschwinden.

Hohe Strafen beantragt

Der erste Prozesstag gehörte vor allem dem zuständigen Staatsanwalt Rainer Angst. Er verlangte nicht nur umfassende Schuldsprüche, sondern auch hohe Freiheitsstrafen. Alleine siebeneinhalb Jahre forderte er für den Hauptbeschuldigten, der zusammen mit Drittenbass die Fäden gezogen hatte. Ein weiterer, professioneller Leasingbetrüger sollte vier Jahre erhalten. Auffallend war, dass alle Beschuldigten mit dem Zürcher Rotlicht-Milieu in Verbindung stehen und vorwiegend mit Brasilianerinnen liiert sind.

Der Hauptangeklagte zeigte sich vor den Schranken recht gefasst und gab die Sachverhalte grundsätzlich zu. Die rechtliche Würdigung wollte er aber seinem Anwalt überlassen. Zu seiner moralischen Verteidigung machte er geltend, dass er in der Vergangenheit trotz finanziellen Engpässen niemals Sozialhilfe bezogen habe. Die anderen Angeklagten zeigten sich teilgeständig.

Urteil nächste Woche zu erwarten

Am Donnerstag stehen die Plädoyers der sechs Verteidiger auf dem Programm. Worauf eine mehrtätige geheime Urteilsberatung folgen wird. Die Entscheide sind nächste Woche zu erwarten.

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