Eternit: Prozess gegen Schmidheiny erneut vertagt

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EternitProzess gegen Schmidheiny erneut vertagt

Im Asbest-Prozess in Turin gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny und den belgischen Baron Jean-Louis de Cartier de Marchienne wollen 6392 Personen und Verbände als Nebenkläger zugelassen werden. Der Prozess wurde auf den 1. März vertagt.

Am 1. März will Richter Giuseppe Casalbore seinen Entscheid verkünden, wer als Zivilpartei zugelassen werde, sagte Schmidheinys Sprecher Peter Schürmann gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Im Verfahren geht es um durch Asbest verursachte Todesfälle und Krankheiten im Zusammenhang mit vier Werken der Eternit S.p.A. (Genua). Schmidheiny und de Cartier sind der vorsätzlichen Tötung und der absichtlichen Verursachung eines Umweltdesasters angeklagt. Ihnen drohen Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren sowie Hunderte Millionen Euro Entschädigungszahlungen.

Beide sollen gemäss Anklage die Verantwortung dafür tragen, dass zwischen 1966 und 1986 notwendige Sicherheitsmassnahmen in den Fabriken unterlassen wurden. Deswegen will die Anklage sie auch für die Erkrankung von weiteren 833 Menschen zur Rechenschaft ziehen.

Mehrfachnennungen der Nebenkläger

Gerichtspräsident Casalbore sagte gemäss der Nachrichtenagentur Adnkronos am Montag, dass einige Personen mehrfach als zivile Partei aufgeführt seien. Er riet deren Anwälten, nochmals über die Bücher zu gegen, «um einen Ausschluss aus dem Prozess zu vermeiden».

Die Verteidigung hatten bereits vor einer Woche beantragt, einen Grossteil der Nebenkläger auszuschliessen. Am diesem Montag verlangte der Anwalt de Cartiers, Cesare Zaccone, den Ausschluss weiterer Zivilparteien.

Er legte dazu eine Liste mit Fällen aus Rubiera in der Emilia Romagna vor. Die Namen der Geschädigten würden nicht in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft aufgeführt. Sie seien deshalb nicht zum Prozess zuzulassen, argumentierte er.

Forderungen bereits abgegolten?

Zudem legte Zaccone ein Dokument aus einem Verfahren von Anfang der 1990er Jahre in Casale Monferato im Piemont vor. Dort stand das Eternit-Hauptwerk in Italien, das 1986 Konkurs ging.

1992 waren mehrere Manager dieses Werks und der ehemalige Verwaltungsratsdelegierte der Eternit S.p.A. zu Haftstrafen verurteilt worden. Diese wurden in zweiter Instanz in Geldstrafen umgewandelt. Insgesamt flossen rund 5 Millionen Franken an erkrankte Eternit-Mitarbeiter und Angehörige von Verstorbenen.

Im auf den 10. Juni 1993 datierten Dokument erklärten die Unterzeichner, dass damit «ihre Entschädigungsforderungen befriedigt» seien. Sie würden «in Zukunft auf alle juristischen Schritte» verzichten. Gemäss Zaccone haben diese damit kein Recht mehr, als Nebenkläger beim im Dezember begonnenen Prozess aufzutreten. Es soll sich dabei um «hunderte Menschen» handeln.

Notiz an die Redaktion: Die Meldung läuft im Ressort Vermischtes statt wie angekündigt Politik

(sda)

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