Prozessauftakt im Mord an Schweizer Bauunternehmer
Aktualisiert

Prozessauftakt im Mord an Schweizer Bauunternehmer

Der am Mittwoch in Konstanz (D) eröffnete Mordprozess gegen die Ehefrau eines Bauunternehmers aus Neerach ZH hat alle Zutaten für eine Soap-Opera: Habgier, Sex, Mord, Pleiten und einen blauen Koffer.

Angeklagt ist die inzwischen 36-jährige zweite Ehefrau des zum Mordzeitpunkt 51-jährigen Bauunternehmers. Sie soll zusammen mit ihrem italienischen Geliebten den getrennt von ihr lebenden Ehemann am Abend ihres 35. Geburtstags im November 2002 erschossen haben.

Noch immer sexuell interessiert

Sie war mit dem Ehemann, der laut Staatsanwalt immer noch sexuell an ihr interessiert gewesen sei, in einen Wald bei Blumberg D gefahren. Dort wurde zehn Tage später seine Leiche gefunden. Und noch während die Polizei nach dem Vermissten suchte, tauchte am Firmensitz in Neerach ein blauer Koffer auf.

Diesen Koffer hatte der Ermordete Wochen zuvor einem Mitarbeiter übergeben, weil er sich angeblich bedroht fühlte. Darin befanden sich Unterlagen, die beweisen sollten, dass die Ehefrau rund 100 000 Franken aus dem Betrieb abgezweigt hatte, um ihre hohen Boutiquerechnungen zu bezahlen.

Verhafteter Schwager

Aber nicht sie wurde zunächst verhaftet, sondern ihr Bruder. Der war in Villingen-Schwennigen im Schwarzwald als Geschäftsführer einer Galvanikfirma tätig, die dem Ermordeten gehörte. Zuvor allerdings hatte sie diesem Schwager gehört, der damit unter mysteriösen Umständen pleite ging. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Betrug.

Der Anwalt des Schwagers, inzwischen CDU-Bundestagsabgeordneter, konnte aber ein Alibi seines Mandanten für den Mordzeitpunkt vorweisen. Daraufhin konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Ehefrau, die der Unternehmer zwölf Jahre zuvor in einem Nachtclub kennengelernt hatte.

Der Partnervermittler im Pelz

Bereits vor der Trennung sollen die beiden manchmal einen rüden Umgangston gepflegt haben. Kurz nachdem der Unternehmer tot gefunden worden war, bestätigte die Polizei, dass sich die Beiden schon gegenseitig mit der Ermordung gedroht hatten.

Und zum Verhandlungsauftakt am Mittwoch in Konstanz war auch ein Herr im Pelz angereist: Nach eigenen Angaben ausserhalb des Gerichtssaals ist er Partnervermittler. Bei ihm habe die Angeklagte während sie getrennt von ihrem Mann lebte, nach einem wohlhabenden Partner gesucht, sagte er, und lobte sie als seriös und als hingebungsvolle Mutter.

(sda)

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