China: Prozesse um Milchskandal haben begonnen
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ChinaProzesse um Milchskandal haben begonnen

Um einen höheren Proteingehalt der Milch vorzutäuschen, schreckten chinesische Milchhersteller vor nichts zurück. Nach dem Skandal um verseuchte Babynahrung müssen sich seit Montag neun Angeklagte vor Gericht verantworten.

Allein in der nordchinesischen Stadt Shijiazhuang stehen nach Berichten staatlicher Medien vier Verdächtige vor Gericht. Dort hat der Milchkonzern Sanlu, der im Zentrum des Skandals stand, seinen Sitz. Weitere Gerichtstermine fanden in drei anderen Städten der Provinz Hebei statt.

Ein erster Prozess gegen sechs Männer begann bereits am Freitag. Allen insgesamt 15 Verdächtigen wird vorgeworfen, die Chemikalie Melamin hergestellt und verkauft zu haben. Sie wurde der Milch offenbar zugesetzt, um einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen.

Mehrere Babys tot und hunderttausende krank

Bei Kindern kann Melamin in hoher Konzentration zu Nierenversagen führen. Mit Melamin verseuchte Produkte aus 22 Unternehmen werden für den Tod von mindestens sechs Babys und die Erkrankung von rund 300 000 Kindern und Jugendlichen verantwortlich gemacht.

Den vier Verdächtigen in Shijiazhuang wird Gefährdung der öffentlichen Sicherheit vorgeworfen. Ihnen drohen mindestens zehn Jahre Haft oder die Todesstrafe. Sie sollen 200 Tonnen eines Melamingemischs produziert und an Milchhersteller verkauft haben. Die anderen fünf Angeklagten sollen laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua giftige Nahrungsmittel hergestellt und verkauft haben.

Milchhersteller ist pleite

Am Samstag hatte die chinesische Vereinigung der Milchindustrie erklärt, 22 Milchhersteller wollten Einmalzahlungen an Betroffene leisten und einen Fonds einrichten, um mögliche Krankheitskosten in der Zukunft abzudecken.

Der Milchkonzern Sanlu hat inzwischen einen Konkursantrag gestellt. Chinesische Gerichte haben bislang alle Klagen gegen Sanlu abgewiesen. Sanlu-Chefin Tian Wenhua soll am Mittwoch vor Gericht erscheinen. (dapd)

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