Aktualisiert 16.03.2006 13:53

Prüdes Amerika: Rekordbussen für US-TV-Sender

Die Amerikaner beweisen einmal mehr, dass sie keinen Spass verstehen, wenn es um sexuell explizites Material geht: Mehr als 100 TV-Stationen müssen 3,6 Millionen Dollar Busse zahlen wegen einer Episode von «Without a Trace».

Über 100 amerikanische Fernsehsender werden von der «Federal Communications Commission» (FCC) zur Kasse gebeten, wie der Online-Newsdienst der BBC am 16. März 2006 berichtet. Insgesamt sind 3,6 Millionen Dollar zu zahlen. In einer Episode von «Without a Trace» - in der Sendung geht es um vermisste Personen - wurde eine versuchte Vergewaltigung mit Teenagern gezeigt. Die FCC hielt fest, dass die «zahlreichen, deutlichen sexuellen Bilder» auf «keinen Fall zulässig» seien.

Auch Fox TV wurde verwarnt - wegen der «Billboard Music Awards» der Jahre 2002 und 2003. Im Jahr 2002 brauchte Popstar Cher einen Ausdruck, der als zu «vulgär» eingestuft wurde. Im Jahr darauf verlor Nicole Ritchie die Beherrschung und brauchte zwei Schimpfwörter, die «zu den beleidigendsten Worten der Englischen Sprache» gehörten. Für die zwei Vorfälle musste Fox TV allerdings nichts bezahlen, weil es sich um «isolierte» Fälle handelte.

Der Sender CBS kommt weniger gut davon: Der Einspruch gegen die verhängte Strafe in der Höhe von 550'000 Dollar wegen Janet Jacksons entblösster Brust an der Superbowl 2004 wurde abgelehnt. Wie der Newsdienst imdb.com am 16. März meldet, lautet die absurde Begründung der Sittenwächter-Kommission, dass es CBS «bewusst und willentlich unterliess, die Ausstrahlung des Materials zu verhindern».

In den USA ist es unterdessen gang und gäbe, dass Live-Sendungen mit zeitlicher Verzögerung ausgestrahlt werden, damit unliebsame Worte mit einem «Piep»-Geräusch überblendet werden können. Die diesjährige Superbowl setzte dabei neue Massstäbe: Das Pausenkonzert der Rolling Stones wurde von ABC zeitverzögert gesendet und zensiert. Dabei fielen über 20 Jahre alte Rocksongs den Zensoren zum Opfer. Die grosse Anzahl der «Piep»-Geräusche in amerikanischen Late-Night-Shows macht deutlich, dass sich die offizielle, behördlich überwachte Sprache immer mehr von der wirklich gesprochenen Sprache unterscheidet.

(gbr)

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