Aktualisiert 21.04.2006 08:24

Prügel-Rassisten waren nicht in Neonazi-Organisation

Die zwei Männer, die einen Deutschafrikaner in Potsdam auf brutalste Weise ins Koma geprügelt haben, sind laut dem brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm in keiner bekannten rechtsextremistischen Organisation aktiv.

Aber man müsse sehen, ob es andere bisher nicht bekannte Verflechtungen gebe, sagte Schönbohm am Freitag im Deutschlandradio Kultur. In Potsdam gebe es keine fest gefügte rechtsextremistische Szene. Taten würden oft spontan begangen, was die Verfolgung erschwere.

Der CDU-Politiker warnte erneut vor voreiligen Schlüssen über die Hintergründe des Anschlags. Erst nachdem Haftbefehle erteilt worden seien, könne man urteilen. Schönbohm begründete seine vorsichtige Haltung mit dem Hinweis, dass sich auf der Mailbox, auf der die Tat aufgezeichnet wurde, mehr vorkomme als das Wort «Nigger».

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft liegen «erhebliche Verdachtsmomente dafür vor, dass die Täter die Tat aus Ausländerhass und auf der Grundlage einer rechtsextremistischen Gesinnung begangen haben. Die Behörde in Karlsruhe wollte noch am Freitag entscheiden, ob die Männer dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die am Donnerstagabend Festgenommenen sollen am Ostersonntag einen 37-jährigen Deutschafrikaner angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben.

Schönbohm sagte, nach der Entscheidung über einen Haftbefehl müsse die Frage diskutiert werden, ob es notwendig gewesen sei, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen habe.

Zugleich gestand der Innenminister ein, dass es in Brandenburg ein grösseres Problem mit Ausländerfeindlichkeit gebe als in anderen Ländern. Allerdings sei der Höhepunkt vor einiger Zeit überschritten worden, die Zahlen gingen kontinuierlich zurück. Zudem nehme die Bevölkerung grossen Anteil am Leid des Deutsch-Äthiopiers. Die Gefährdung für Ausländer, die etwa an ihrer Hautfarbe zu erkennen seien, habe abgenommen, sagte er. (dapd)

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