Schlechter Botschafter: Prügelboxer trägt Schweizer Luxusuhr
Aktualisiert

Schlechter BotschafterPrügelboxer trägt Schweizer Luxusuhr

Hat Skandalboxer David Haye das Image der Nobelmarke Hublot ruiniert? Bei der Schlägerei gegen Dereck Chisora blitzte an seinem Handgelenk eine fast 40 000 Franken teure Luxusuhr auf.

von
S. Spaeth
David Haye und seine Schweizer Uhr. Der Skandalboxer trägt ein Modell aus der über 25 Typen umfassenden «King Power Gold»-Serie von Hublot.

David Haye und seine Schweizer Uhr. Der Skandalboxer trägt ein Modell aus der über 25 Typen umfassenden «King Power Gold»-Serie von Hublot.

Fäuste, Glasscherben, Blut – und die Drohung «ich werde dich erschiessen». Die Szenerie an der Pressekonferenz nach dem Boxkampf zwischen Witali Klitschko und Dereck Chisora erinnert an einen Streit im wilden Westen. Der 31-jährige Skandalboxer David Haye – eigentlich im temporären Ruhestand und als Kommentator für einen englischen TV-Kanal im Einsatz – provozierte den gegen Klitschko unterlegenen Chisora mit dem Ruf: «Du bist ein Loser! Du hast drei Kämpfe in Serie verloren!» Dann kommt es am frühen Sonntagmorgen zum grossen Tumult. (20 Minuten Online berichtete)

Die Bilder und Videos der Keilerei gehen um die Welt. Darauf ist neben Fäusten, blutverschmierten Gesichtern und Flaschen auch eine Schweizer Uhr zu sehen. David Haye trägt während der Schlägerei eine extravagante Uhr des Genfer Herstellers Hublot. Das Modell am linken Handgelenk des ehemaligen Schwergewichts-Weltmeisters und König der Provokation heisst «King Power Gold». Kostenpunkt: 38 900 Franken.

Ist ein solch unflätiger Träger eine Gefahr fürs Nobelimage der aufstrebenden Marke? Ende 2011 hatte Hublot-Chef Jean-Claude Biver wegen des Hublot-Hypes angekündigt, bis 2013 die Produktionsfläche am Hauptsitz in Nyon für 20 Millionen Franken verdoppeln zu wollen. Die Uhren, allesamt in Handarbeit hergestellt, kosten ab 20 000 Franken an aufwärts. «Positiv fürs Ansehen der Marke ist der Skandal mit Haye auf keinen Fall. Einfach etwas Pech», sagt Sponsoringexperte Hans-Willy Brockes. Man könne sich die Kunden nicht auswählen.

Boxer benimmt sich wie Gangster

«David Haye ist kein Markenbotschafter von Hublot. Er bekommt weder Uhren noch Geld von uns», verteidigt sich Biver, der seinen CEO-Posten Anfang Januar 2011 abgegeben hat und seither Verwaltungsratspräsident ist. Der langjährige Uhrenmanager kennt den englischen Boxer nicht persönlich, wusste aber, das Haye Hublot-Träger ist. «Wäre Haye ein Hublot-Botschafter, könnte unser Image womöglich Schaden nehmen», räumt der 62-Jährige ein. Nun betrachtet Biver den durch Haye verursachten Image-Schaden als gering. Gelitten hat laut Biver vor allem das Ansehen von Haye selbst, weil er sich an einer Pressekonferenz benommen habe wie ein Gangster.

«Einzelsportler als Markenbotschafter muss man sehr sorgfältig auswählen und auch auf ihre Skandalträchtigkeit hin beurteilen», sagt Brockes. Darum besser Finger weg von den meisten Boxern, rät der Sponsoring-Experte. Das scheint sich auch Hublot gedacht zu haben, denn Haye war tatsächlich als Markenbotschafter im Gespräch. Auf einer englischen Website wurde er gar als Hublot-Ambassador beschrieben – zu Unrecht. «Unser Team hat abgelehnt», sagt Biver, der Hublot 2004 übernommen und zur Blüte geführt hatte. Man habe sich auf andere Sportarten wie Segeln und Formel 1 konzentrieren wollen.

Ribéry, Miller – Bolt und Maradona

Sportler scheinen die zuweilen als protzig verschrienen Uhren der Genfer Marke geradezu magisch anzuziehen. So tragen Bayern-Star Franck Ribéry, sein baldiger Teamkollege Xherdan Shaqiri oder das Enfant Terrible des Skisports – der Amerikaner Bode Miller – allesamt Hublot Uhren. Und das nicht aufgrund von Sponsoringverträgen. Markenbotschafter von Hublot sind hingegen der ehemalige Fussballstar Diego Maradona und der Supersprinter Usain Bolt.

Mit Bolt arbeitet Hublot seit 2009 zusammen. Der Vertrag dauert bis nach den Olympischen Spielen in London. Auf Bolt ist Biver in einer VIP-Loge des Fussballclubs Manchester United aufmerksam geworden, mit dem die Schweizer Marke ebenfalls zusammenarbeitet. Biver sah, dass Bolt eine Hublot trug und fragte, ob man etwas gemeinsam machen könne. Der Sprinter willigte ein.

Das Engagement des schnellsten Mannes der Welt kostet den gebürtigen Luxemburger Biver weniger als eine halbe Million Franken pro Jahr. «Wir machen nicht viel Werbung mit Usain und haben ihn auch nicht für Dutzende Tage gebucht», erklärt der Uhrenmanager den Deal. Bolt erhalte nur Uhren und wenige tausend Franken, der Rest des Geldes gehe in Bolts soziale Stiftung. Biver hofft nun, dass Bolt Olympiasieger in London wird. «Dann werden wir hoffentlich viel positive Aufmerksamkeit erhalten».

Der Teufel trägt Lacoste

Wenig Freude über ihren «Werbeträger» hat die französische Kleidermarke Lacoste. Der Grund: Das Label mit dem Krokodil ist die Lieblingsmarke des Massenmörders Anders Behring Breivik. Auf Seite 1406 seines Manifests beschreibt Breivik Lacoste als «favourite clothing brand». Laut der norwegischen Polizei weigert sich Breivik, bei Gerichtsterminen etwas anderes zu tragen als einen roten Pullover mit dem kleinen Krokodil-Logo. Laut der Zeitung «Dagbladet» hat Lacoste im Januar 2012 die norwegische Polizei darum gebeten, Breivik den roten Pullover wegzunehmen.

Deine Meinung