Prügeln in der Primarschule
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Prügeln in der Primarschule

Jeder zweite Zürcher Primarschüler ist Schlägereien nicht abgeneigt, wie eine neue Studie zeigt. Ein Präventionsprogramm wirkt - aber nur wenn die Eltern mitmachen und die Lehrer motiviert sind.

Das belegt eine Studie aus Zürich, die eine grosse Verbreitung von Aggression und Gewalt an Primarschulen nachweist.

Wegen wachsender Probleme mit Gewalt an der Zürcher Primarschule startete das Schuldepartement 2004 eine Studie, die vom Kriminologen Manuel Eisner geleitet wurde. Neben dem Gewaltpotential an der Primarschule sollte sie auch repräsentativ zeigen, ob und wie Gewaltprävention nach der Einschulung wirkt. Die Studie wurde am Donnerstag in Zürich präsentiert.

Einige postive Effekte

In drei Wellen wurden 1300 Erst- bis Drittklässler, deren Lehrer und Eltern befragt. Rund 100 Klassen wurden in die Studie einbezogen. Ihnen wurde das in Fachkreisen bekannte Gewaltpräventionspaket PFAD (Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien), den Eltern das Elterntraining Triple P zur Förderung der Erziehungskompetenz angeboten.

Dank dem Vergleich mit Klassen und Eltern, wo keine spezielle Gewaltprävention angeboten wurde (Kontrollgruppe), konnten die Forscher die Wirkung der Programme eruieren. Bezüglich des Elterntrainings weist die Studie einige positive Effekte aus: Eltern, die den ganzen Kurs besuchten, setzten weniger körperliche Gewalt gegen ihre Kinder ein und/oder das Familienklima verbesserte sich.

Die Studie zeigt allerdings, dass sich nur gerade 27 Prozent der angeschriebenen Eltern für den Kurs interessierten. Deutlich untervertreten waren «fremdsprachige bildungsferne Eltern», obwohl auch Kurse in verschiedenen Fremdsprachen angeboten wurden.

Motivation der Lehrerschaft wichtig

Beim Klassenangebot PFAD zur Förderung der Sozialkompetenz der Kinder umfassten die Schülertrainings zwei Lektionen pro Woche. Auch hier konnte die Studie signifikante positive Wirkungen nachweisen. Sowohl Eltern als auch Lehrkräfte beobachteten bei den Kindern Verbesserungen. In den Klassen ohne PFAD waren gewaltfreie Konfliklösungen weniger häufig und schulische Probleme häufiger.

Die Programme könnten etwas anstossen, dürften aber auch nicht überschätzt werden, sagte Eisner vor den Medien. Wichtig sei vor allem ihre Qualität. So wies die Studie nach, dass PFAD bei den Kindern vor allem dann wirkte, wenn die vermittelnden Lehrpersonen selber daran glaubten und motiviert waren. Und entscheidend ist laut Eisner, dass es gelingt, die Eltern einzubeziehen.

Gewalt beginnt früh

Die Studie zeigte schliesslich, dass bereits zu Beginn der Primarschule Aggression und Gewalt unter Kindern weit verbreitet sind. Etwa jeder zweite Knabe und jedes fünfte Mädchen sind mindestens hin und wieder in Schlägereien verwickelt.

Bei Buben ist körperliche Gewalt deutlich häufiger, Mädchen greifen mehr zu verbaler Gewalt oder versuchen, Kinder sozial auszuschliessen. Insgesamt setzen gemäss Studie neun Prozent der Kinder oft oder sehr oft körperliche Gewalt gegen andere ein.

Noch unklar ist, welche konkreten Lehren die Stadt Zürich aus der breit angelegten Studie zieht. Ein Hauptproblem sei die verstärkte Integration fremdsprachiger Eltern, sagte Schulvorstand Gerold Lauber. Konkrete Angebote, gestützt auf die Erkenntnisse der Studie sollen bis Ende Jahr vorliegen.

(sda)

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