Aktualisiert 18.01.2019 06:29

12 Jahre für EhemannPrügelopfer lag 2 Stunden bewusstlos im Feld

Ein alkoholkranker Liechtensteiner (29) prügelte seine Frau ins Koma. Vor Gericht wurde seine schlimme Kindheit ins Feld geführt. Verurteilt wurde er trotzdem.

von
jeb
Am 8. Juni 2018 wurde in Schaan (FL) eine bewusstlose Frau gefunden. Sie war von ihrem Mann verprügelt worden.

Am 8. Juni 2018 wurde in Schaan (FL) eine bewusstlose Frau gefunden. Sie war von ihrem Mann verprügelt worden.

Radio-Liechtenstein-Hörer

Im Sommer 2018 ereignete sich in Schaan FL eine unsägliche Tragödie. Ein alkohol- und drogensüchtiger Mann beschloss, einen Entzug zu beginnen. Doch bevor er sich in Therapie begab, liess er sich zum Abschied im Haus eines Freundes nochmals richtig volllaufen. Mit dabei waren auch seine Frau (25) und das gemeinsame Baby, damals sieben Monate alt.

Gegen zwei Uhr machte sich die Familie auf den Heimweg. Unterwegs kam es zum Streit: Mit 2,7 Promille Alkohol im Blut verprügelte der Mann seine Frau dermassen heftig, dass sie für längere Zeit ins Koma fiel und heute gelähmt ist.

Am Mittwoch wurde vor Gericht das Urteil verkündet. Wie das «Liechtensteiner Vaterland» am Donnerstag berichtete, muss der Mann für 12 Jahre wegen versuchten Mordes hinter Gitter.

Mutter wollte Geburt mit Alkohol verhindern

Vor Gericht berichtete der Verteidiger von der schwierigen Kindheit des 29-Jährigen. Bereits seine Eltern seien drogensüchtig gewesen. Seine Mutter solle sogar versucht haben, ihn mittels Alkohol und Drogen abzutreiben. Nachdem das nicht geklappt habe, sei die Kindheit katastrophal gewesen: Der Angeklagte wurde geschlagen und musste manchmal hungrig in die Schule. Die süchtigen Eltern seien wenig für ihr Kind dagewesen.

Laut «Vaterland» sagte der Mann einmal, dass es bei der schweren Kindheit verwunderlich sei, dass er erst mit 16 heroinabhängig worden sei. Auch schulisch und beruflich lief es schlecht. Der Mann konnte im Arbeitsleben nie richtig Fuss fassen.

Opfer mit Würgespuren

Der Verteidiger sagte vor Gericht, dass sich die Tat mit der schrecklichen Kindheit zwar nicht entschuldigen lasse, doch die Umstände solle das Gericht doch berücksichtigen. Zudem sei der Mann nach seinem Ausraster unter Schock, Alkohol und Drogen gestanden. Auch erinnere er sich nicht mehr genau an den Tathergang.

Bekannt ist, dass es Streit wegen der zwei weiteren Kinder des Paars gegeben hatte. Diese leben in fremder Obhut. Laut medizinischem Gutachten wurde die Frau mit massiven Faustschlägen verletzt. Auch Würgespuren am Hals wurden festgestellt. Die Körpertemperatur des Opfers von 32 Grad weise darauf hin, dass die Frau mindestens zwei Stunden hilflos im Feld gelegen habe.

Hilfe unterlassen

Der Staatsanwalt stellte sich auf den Standpunkt, dass es der 29-Jährige in gravierender Weise unterlassen habe, seiner Frau Hilfe zu leisten.

Das Gericht kam zum selben Schluss und verurteilte den Mann wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren. Das Strafmass für diese Tat liegt in Liechtenstein bei zehn bis zwanzig Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.