Polizei-Aufruf: Prügler haben «jegliche Grenzen überschritten»

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Polizei-AufrufPrügler haben «jegliche Grenzen überschritten»

Die Bilder sorgten für Entsetzten: Gestern hat die Kapo Thurgau ein Video veröffentlicht, auf dem drei Schläger zwei Opfer brutal verprügeln. Nun erklärt Untersuchungsrichter Patrick Müller, wieso man sich zu diesem Schritt gezwungen sah.

Jung sind sie die, die beiden Männer, die gemütlich durch die Bahnhofunterführung im Bahnhof Kreuzlingen schlendern. Sekunden später ist es aus mit der Gemütlichkeit: Die beiden werden von drei Schlägern brutal verprügelt. Schläger, die nicht einmal von ihnen ablassen, als sie bereits am Boden liegen. Schläger, die nach der Tat lachend von Dannen ziehen (20 Minuten Online berichtete).

Um die Schläger zu fassen, hat die Kantonspolizei gestern ein Video veröffentlicht. Wie der Thurgauer Untersuchungsrichter Patrick Müller gegenüber der «Thurgauer Zeitung» sagte, habe man sich dazu entschlossen, nachdem die restlichen Ermittlungen der Polizei erfolglos geblieben sind. Das sei auch der Grund, weshalb man das Video erst rund eine Woche nach der Tat an die Öffentlichkeit gegeben habe.

Das Bezirksamt habe bei der SBB die Herausgabe der Videoaufnahmen verlangt. Nach einer Interessensabwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht der Täter und dem Interesse an der Aufklärung einer schweren Straftat habe man sich zur Veröffentlichung des Videos entschieden. Die Thurgauer Strafprozessordnung halte auch explizit fest, dass die Untersuchungsbehörden die Öffentlichkeit in die Fahndung nach unbekannten Tätern miteinbeziehen kann.

Deutliche Verrohung der Sitten

Das Entsetzen von Patrick Müller ist spürbar: «Ich möchte festhalten, dass bei solchen Taten jegliche Grenzen überschritten werden», antwortet er auf die Frage, ob die die Brutalität auf dem Video nicht äusserst bedenklich sei. Er gehe davon aus, dass das brutale Zusammenschlagen Triebfeder der Handlung war – denn den Opfern wurde nichts gestohlen. Er stelle allgemein eine deutliche Verrohung der Sitten und eine Zunahme sinnloser Gewaltstraftaten fest.

Eigentlich sei das Kreuzlinger Hauptbahnhof-Areal nicht besonders gefährdet für Gewaltdelikte. Schwerer Fälle seien dort bisher nicht passiert, obwohl nicht alle Bahnunterführungsgänge mit Videokameras überwacht seien. Der aktuelle Vorfall hätte laut Müller genauso gut an einem anderen Ort in Kreuzlingen passieren können: «Dass der Tatort am Hauptbahnhof liegt, ist reiner Zufall.»

Täter könnten in Kürze gefasst sein

Untersuchungsrichter Müller scheint die Veröffentlichung als Erfolg zu werten: «Aufgrund der bereits bisher eingegangenen konkreten Hinweise, welche derzeit von der Kantonspolizei überprüft werden, scheint es denkbar, dass die Täter innert Kürze gefasst werden können.»

(mlu)

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