Aktualisiert 15.12.2010 19:59

VerurteiltPrügler von Basel für Jahre hinter Gitter

Im Prozess um den brutalen Angriff auf drei Passanten an der Rebgasse in Basel hat das Strafgericht Basel-Stadt das Urteil gefällt.

Drei Männer, die 2009 in Basel Passanten brutal attackiert hatten, sind am Mittwoch vom Basler Strafgericht wegen versuchter schwerer Körperverletzung und weiterer Delikte zu Freiheitsstrafen von sechseinhalb respektive fünfeinhalb Jahren verurteilt worden.

Das Trio hatte vor gut einem Jahr in der Rebgasse drei Passanten mit Schlägen und Tritten erheblich verletzt. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen versuchten Mordes. Das Gericht hat nun die Gewalttätigkeiten als versuchte schwere Körperverletzung, versuchte einfache Körperverletzung und Angriff eingestuft.

Auch das Gericht ging davon aus, dass die Täter zwei der Opfer auch mit Fusstritten gegen den Kopf traktiert hatten. Es verneinte aber den Tötungsvorsatz. Bei Tritten gegen den Kopf könne man nicht darauf vertrauen, dass es bei einer einfachen Körperverletzung bleibe, man müsse aber nicht immer von einem Tötungsvorsatz ausgehen, sagte die Gerichtspräsidentin.

Verletzungen nicht schwer

In diesem Fall seien die Verletzungen der Opfer relativ geringfügig gewesen, und unmittelbare Lebensgefahr habe nicht bestanden, sagte sie weiter. Dies lasse auch auf eine relativ geringfügige Wucht der Tritte schliessen. Ausserdem hätten die Angreifer keine Stiefel, sondern leichte Freizeitschuhe getragen.

Das am schlimmsten verletzte Opfer, ein heute 24-Jähriger, erlitt mehrfache Brüche im Gesicht. Ein 54-Jähriger trug einen Bruch der Elle und eine leichte Gehirnerschütterung davon, seine 56-jährige Partnerin zwei gebrochene Rippen. Alle sind wieder gesund, berichteten aber vor Gericht von psychischen Nachwirkungen der erlebten Gewalt.

Die drei Angeklagten sind Schweizer aus der Region Basel, nicht vorbestraft und heute 21, 22 und 23 Jahre alt. Alle blicken auf eine schwierige Kindheit und Jugend zurück. Sie sind auf freiem Fuss. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde im Fall des 22- Jährigen der Vollzug der Freiheitsstrafe zu Gunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben.

Appellation absehbar

Die Staatsanwältin und die Verteidigung wollen das schriftliche Urteil abwarten, bevor sie über eine Appellation entscheiden. Beide Seiten liessen schon durchblicken, dass sich vermutlich auch das Appellationsgericht mit dem Fall wird befassen müssen. Sie sei nicht zufrieden mit dem Urteil, sagte die Staatsanwältin gegenüber den Medien.

Die Staatsanwältin betonte, dass ihre Anklage wegen versuchten Mordes nicht bloss dem Gericht einen weiten Rahmen geben sollte: Für sie habe es sich tatsächlich um einen Mordversuch gehandelt. Sie hatte Strafen von neun Jahren und vier Monaten für den jüngsten Angeklagten sowie von neun Jahren für die beiden anderen gefordert.

Die Verteidigung bestritt den Tötungsvorsatz und plädierte auf Angriff. Für die beiden bisher nicht psychiatrisch begutachteten Angeklagten beantragten die Verteidiger die Anordnung eines psychiatrischen Gutachtens.

Schadenersatz aussergerichtlich geregelt

Der Vertreter der Geschädigten hielt gegenüber den Medien fest, dass er die rechtliche Würdigung des Gerichts nicht teile. Nicht das Ergebnis, sondern das Vorgehen der Täter müsse für die rechtliche Qualifikation der Tat massgebend sein, sagte er.

Er betonte auch, dass die Opfer ihre ursprünglichen Genugtuungsforderungen nicht - wie vom Gericht behauptet - deshalb reduziert hätten, weil sie jetzt den Vorfall anders einschätzten. Vielmehr hätten sie ein Zeichen setzen wollen, dass sie sich nicht an den Tätern bereichern wollten.

Das Gericht hatte die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen nicht zu beurteilen, weil sich Opfer und Angeklagte in einer Vereinbarung geeinigt haben. Über dessen Inhalt ist Stillschweigen vereinbart worden. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.