Bezirksgericht Zürich: Pseudo Geheimdienstchef verurteilt
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Bezirksgericht ZürichPseudo Geheimdienstchef verurteilt

Ein selbst ernannter Geheimdienst-Chef mit Spitznamen «Dr. Evil» ist erneut vor dem Strafrichter gelandet. Diesmal hat er eine ehemalige Angestellte dazu gezwungen, eine Geheimhaltungsvereinbarung zu unterschreiben.

von
Attila Szenogrady

Der heute 40-jährige Stadtzürcher sorgt schon seit mehreren Jahren immer wieder für Unruhe. So gibt sich der IV-Rentner als «Geheimdienst-Chef» und Mitarbeiter des Staatschutzes aus. Der Mann mit dem Spitznamen «Dr.Evil» ist ein Fan von Agenten und Spitzeln. Ein Oberrichter empfahl ihm einst, weniger James-Bond-Filme zu sehen.

Dabei heuerte er immer wieder Frauen für angebliche Spionagedienste an. Vor vier Jahren war es eine iranische Dolmetscherin, die auf die Masche «Dr. Evil» hereinfiel. Zuerst bot er ihr eine Stelle als normale Uebersetzerin an. Dann verlangte er plötzlich Einsätze als Spionin. Als die Perserin aussteigen wollte, verlegte sich der Angeklagte auf perfide Drohungen. So werde man bei ihr Drogen finden und sie aus der Schweiz schaffen, sagte er und handelte sich damit im April 2008 eine erste Vorstrafe wegen versuchter Nötigung ein.

Linke Szene ausspionieren

Am Montag musste sich «Dr Evil» erneut wegen Nötigung vor Gericht verantworten. Diesmal hatte er eine 35-jährige Deutsche in seine Falle gelockt. Zuerst war in einem Inserat von einem Escort-Service die Rede. Doch dann bot der kahlköpfige Chef andere «Arbeiten» an. So musste die Frau die linke Zürcher Szene bei deren Veranstaltungen ausspionieren und dem Chef Rapport erstatten.

Eine Zeit lang ging alles gut. Es soll sogar zu intimen Beziehungen gekommen sein. Doch dann wollte die Fürsorgeempfängerin nicht mehr für den unheimlichen Chef tätig sein. Zudem schuldete er ihr noch über 2000 Franken. Der Angeklagte reagierte sauer und forderte seine Noch-Angestellte auf, eine für sie nachteilige Geheimhaltungsvereinbarung zu unterzeichnen. Ansonsten werde er sie nicht nur beim Sozialamt verpetzen, sondern auch ihren Freund über das sexuelle Abenteuer unterrichten. Die eingeschüchterte Frau unterschrieb, erstattete aber später Strafanzeige.

Erneut verurteilt

Vor den Schranken liess «Dr. Evil» seinen Anwalt vergeblich auf einen Freispruch plädieren. Er wurde wegen Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Zudem wurde die ehemals bedingte Vorstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Franken widerrufen. Nicht zuletzt soll der gebürtige Schaffhauser dem Opfer einen Schadenersatz von 2000 Franken bezahlen. Zusätzlich eine Genugtuung von weiteren 2000 Franken.

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