Wenig bekannte Krankheit: Pseudorotz tötet jährlich 89'000 Menschen
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Wenig bekannte KrankheitPseudorotz tötet jährlich 89'000 Menschen

Sie haben noch nie von Melioidose gehört? Seien sie froh. Laut WHO kommt die Infektionskrankheit häufiger vor als gedacht und wird oft falsch diagnostiziert.

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165'000 Menschen erkranken jährlich an Melioidose, auch Pseudorotz genannt, rund 89'000 sterben daran, so die Schätzungen einer neuen Studie unter Beteiligung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Die Infektionskrankheit wird durch das Bodenbakterium Burkholderia pseudomallei ausgelöst und verursacht Fieber, Schmerzen in der Brust und in den Gelenken sowie Abszesse.

Die Forscher untersuchten Aufzeichnungen über Melioidose-Infektionen bei Mensch und Tier sowie Berichte über das Vorkommen des Bodenbakteriums aus den Jahren 1910 bis 2014. Daraus berechneten sie Vorhersagen über die tatsächliche Verbreitung der Krankheit. Bisher stützte man sich dabei nur auf gemeldete Fälle.

Hohe Dunkelziffer

Die Analyse zeigte, dass es vermutlich eine hohe Dunkelziffer in 45 Ländern mit gemeldeten Melioidose-Fällen gibt. Die Krankheit komme ausserdem in 34 weiteren Ländern vor, in denen bisher kein Fall bekannt wurde. Die meisten davon liegen in Zentral-, West- und Ost-Afrika, aber auch Bolivien, Paraguay und der Irak gehören dazu.

Das Bakterium lässt sich nur durch ein mikrobiologisches Labor mit entsprechender Ausrüstung identifizieren. Daher sind viele Fälle vermutlich unentdeckt geblieben, so die Forscher.

Mögliche Verbreitung über Tier-Importe

Durch den Import infizierter Tiere kann sich das Bodenbakterium auch auf Regionen ausbreiten, in denen es nicht heimisch ist, aber in denen es günstige Lebensbedingungen vorfindet. Da Temperaturen unter 11 Grad Celsius den Erreger inaktivieren, kann er sich jedoch in kühleren Ländern nicht dauerhaft etablieren. Allerdings werden in Norditalien regelmässig positive Erregernachweise aus Trinkwasserbrunnen erbracht.

Über 99 Prozent der Todesfälle betreffen Entwicklungs- und Schwellenländer, so schätzen die Forscher. Die Infektion kann über den Kontakt einer offenen Wunde mit kontaminiertem Wasser oder Erdreich, aber auch über Verschlucken oder Inhalation aufgewirbelter Erreger erfolgen.

Die Wissenschafter rufen die internationalen Gesundheitsbehörden und Politiker dazu auf, der Krankheit eine höhere Priorität zu geben und die Forschung zu ihrer Bekämpfung zu fördern. Die Studie ist im Fachjournal «Nature Microbiology» erschienen. (fee/sda)

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit liegt meist bei 1–21 Tagen, es werden aber auch Fälle mit mehrjähriger Inkubationszeit beschrieben. Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz und Erkrankungen des Immunsystems (nicht jedoch Aids) begünstigen eine Erkrankung.

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