Verurteilt: Psychiater filmte unter Röcke von Kolleginnen
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VerurteiltPsychiater filmte unter Röcke von Kolleginnen

Ein Psychiater installierte heimlich Kameras unter dem Tisch. Ziel war es, einen Blick auf die Slips der Betreuerinnen seiner Patienten zu erhaschen.

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20minutes/ann
Der Psychiater filmte die Höschen der Sozialpädagogin mittels Kamera, die er unter dem Tisch anbrachte.

Der Psychiater filmte die Höschen der Sozialpädagogin mittels Kamera, die er unter dem Tisch anbrachte.

Ein 53-jähriger Psychiater, der in einer Waadtländer Einrichtung für Autisten arbeitete, hat Kolleginnen mit Hilfe von Kameras während über einem Jahr unter die Röcke geschaut. Das Vorgefallene reicht zurück bis in den Frühling 2014.

Der Arzt interessierte sich vor allem für die Sozialpädagoginnen um ihn herum. Wenn diese sich bei einer Therapiesitzung über die Patienten bückten, versuchte er unbemerkt einen Blick auf ihr Höschen zu erhaschen. Dazu installierte er eine Kamera unter dem Tisch.

Zuerst stritt der Täter alles ab

Erst nach Monaten flogen seine Machenschaften auf. Drei Frauen reichten im September 2015 Klage ein. Darauf wurden dreissig Videos auf dem Computer des Psychiaters gefunden. Sechs verschiedene Opfer konnten identifiziert werden.

Der Psychiater gestand zunächst gar nichts ein. Erst als ihn die Ermittler mit den eindeutigen Ergebnissen konfrontierten, gab er alle Taten zu. Der Mann erklärte sein Verhalten mit der schweren Erkrankung seiner Frau, die ihn besonders treffe. Ausserdem bereute er seine Taten, schrieb seinen Opfern Entschuldigungsbriefe und unterzog sich selbst einer psychotherapeutischen Behandlung.

Besonders verwerflich

Der Staatsanwalt, verurteilte den Psychiater mittels Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 130 Tagessätzen und einer Busse von 3000 Franken. Er hielt fest, dass die Taten besonders verwerflich seien, weil sie in einem therapeutischen Setting stattgefunden hätten, das auf vertrauensvolle Beziehungen zwischen Angestellten und Patienten setze.

Dem Arzt drohen Sanktionen vom Kanton

Die Strafe für den Arzt ist nicht hoch. Was schwerer wiegt, ist die Frage nach der beruflichen Zukunft des selbständigen Psychiaters. Derzeit werden seine Mandate in verschiedenen Institutionen überprüft. Die Entscheidung fällt der kantonale Gesundheitsrat. «Massnahmen, die auch ein Mentoring einschliessen, wurden bereits getroffen», sagt der Waadtländer Kantonsarzt Karim Boubakr. Entzieht der Kanton nicht gleich die Bewilligung hat er mehrere Möglichkeiten, einen Arzt zu sanktionieren. Diese reichen von einer Verwarnung bis hin zu einer Geldstrafe von 200'000 Franken.

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