Tod von Bank-CEO: Psychiater: «Jürgen Hermann ist geisteskrank»
Aktualisiert

Tod von Bank-CEOPsychiater: «Jürgen Hermann ist geisteskrank»

Der mutmassliche Todesschütze von Balzers FL hatte den erschossenen Bank-CEO seit Jahren bedroht. Für den damals zuständigen Psychiater war klar: «Der Mann ist geisteskrank.»

von
eli

Jürgen Frick ist tot. Der 48-jährige CEO der Liechtensteiner Bank Frick wurde am Montagmorgen in der Tiefgarage seiner Bank erschossen. Die Polizei fahndet nach dem mutmasslichen Schützen: Jürgen Hermann (58), Fondsmanager, Pleitier und selbsternannter Robin Hood Liechtensteins.

«Ostergrüsse» mit Drohungen

Für Insider ist die Tat «ein Mord mit Ansage». Denn: Hermann hatte Frick offenbar seit Jahren bedroht. Der Grund: Der gescheiterte Fondsmanager machte die Bank Frick und insbesondere Jürgen Frick mitverantwortlich für die Pleite seiner Anlagegesellschaft. «Immer wieder drohte er der Bank, sie bei den amerikanischen oder den britischen Aufsichtsbehörden anzuschwärzen», so ein Bankmitarbeiter.

Vor vier Jahren dann eskalierte der Streit ein erstes Mal. Hermann hatte Frick eine «Osterbotschaft» zugesandt, in der er dem Bank-CEO Gewalt androhte. Nach weiteren Drohungen erstattete Frick 2011 schliesslich Anzeige. Im Laufe der folgenden Untersuchung wurde auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt.

«Gottähnliche Fähigkeiten»

Aufgrund der vorliegenden Akten kam der Gutachter zu dem Schluss, dass bei Hermann eine «ausgeprägte narzisstische Persönlichkeitsstörung» vorliege. Jürgen Hermann zeige «mittlerweile recht bizarre Gedanken in Bezug auf die Grundidee, dass er betrogen wurde». Alle, die nicht für ihn seien, seien gegen ihn, so der Gutacher weiter. Hermann zeige «ausgeprägte Grössenphantasien», die sich durch sein Alias Robin Hood oder seine Gleichsetzung mit Herakles zeigten und die darin gipfelten, dass «er sich quasi gottähnliche Fähigkeiten» zuspreche, «seine unsichtbare Hand auf alle jene zu lenken, die seinen Zorn erregt haben».

Hermanns «wahnhafte Störung» entspreche «einer Geisteskrankheit im Sinne des Gesetzes», folgert der Gutachter. Hermann interpretiere für ihn ungünstige Urteile als gekauft oder von einer Mafia diktiert. Seine Einsichtsfähigkeit sei aus gutachterlicher Sicht nicht mehr gegeben oder zumindest stark eingeschränkt.

Hermann, so der Gutachter abschliessend, «fühlt sich im Recht und wird sicherlich keine Notwendigkeit einer Behandlung sehen». Die Notwendigkeit einer Behandlung, so der Psychiater, sei grundsätzlich jedoch gegeben.

Eigenes Gutachten aus der Ostschweiz

Jürgen Hermanns Reaktion auf das Gutachten fiel, nicht ganz unerwartet, heftig aus: «Nur ein Idiot kann ein solches Gutachten erstellen», schrieb er in einem Fax an den Gutachter. Wenig später präsentierte er Auszüge aus einem Attest, das er selber bei einem bekannten Ostschweizer Psychiater eingeholt hatte: Dieses kam zum Schluss, dass man auf eine Unzurechnungsfähigkeit im strafrechtlichen Sinne nicht schliessen könne, auch wenn «sich Jürgen Hermann von seiner Geistesverfassung her nicht in optimalem Zustand befindet». Hermann blieb auf freiem Fuss, eine psychiatrische Behandlung wurde offenbar nicht angeordnet.

Am Montagmorgen nun hat Jürgen Hermann, Vater dreier Kinder, zur Waffe gegriffen und Jürgen Frick, auch er ein Familienvater, erschossen. Seither befindet sich der Schütze auf der Flucht.

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