Luzern: Psychiaterin verweigert Ausländer die Behandlung

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LuzernPsychiaterin verweigert Ausländer die Behandlung

Eine Luzerner Ärztin wollte einen Deutschen mit tunesischen Wurzeln nicht behandeln. Sie nahm an, er spreche kein Deutsch.

von
scl
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Wegen Depressionen suchte ein Mann in Luzern die Hilfe einer Psychiaterin.

Wegen Depressionen suchte ein Mann in Luzern die Hilfe einer Psychiaterin.

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Weil sie annahm, er spreche kein Deutsch, wollte ihn nicht behandeln.

Weil sie annahm, er spreche kein Deutsch, wollte ihn nicht behandeln.

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Ein deutscher Bürger mit tunesischen Wurzeln suchte Ende April aufgrund einer «mittleren bis schweren Depression» nach einem Arzt. Seit einigen Jahren lebt und arbeitet der IT-Fachmann in der Zentralschweiz.

Bei seiner Suche stiess er auf eine Luzerner Psychiaterin. Er kontaktierte sie schriftlich, worauf sie per E-Mail antwortete. Sie übernehme zurzeit keine Patienten mit Migrationshintergrund. Auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» präzisierte die frühere Oberärztin einer Akutstation der Luzerner Klinik St. Urban: «Es ist keine Psychotherapie möglich ohne ein tieferes Sprachverständnis, und zwar der deutschen Sprache (die Sprache von Goethe), die einzige Sprache, in der ich behandle!»

Wahlfreiheit für beide Seiten

Der Ärzteverband wies auf Anfrage daraufhin, dass grundsätzlich nicht nur die freie Arztwahl, sondern auch die freie Patientenwahl gelte. Und der Präsident der Luzerner Ärztegesellschaft sagte, es sei wichtig, vor einer Behandlung zu klären, in welcher Sprache Arzt und Patient kommunizierten. Schliesslich spiele die Kommunikation in der Medizin eine zentrale Rolle. Diese Mühe machte sich die Psychiaterin allerdings nicht. Ansonsten hätte sie gemerkt, dass der IT-Fachmann perfekt Deutsch spricht.

Klarer positionieren sich die Stiftung Patientenschutz und die eidgenössische Rassismus-Kommission: Sie verurteilen den Vorfall. Es sei sehr unreflektiert, vom Namen auf einen Migrationshintergrund zu schliessen und dann ohne weitere Nachfragen davon auszugehen, dass die betroffene Person die deutsche Sprache nicht beherrsche.

Bisher ist dies der einzige Fall, welcher der Stiftung Patientenschutz bekannt ist. Man gehe deshalb davon aus, dass Psychiaterinnen und Psychiater ihren Beruf mit der nötigen Sorgfaltspflicht und einem hohen ethischen Bewusstsein ausüben würden.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

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