Aktualisiert 10.04.2014 09:23

«Wie im 18. Jahrhundert»Psychisch Kranke ins Gefängnis statt Spital

In den USA sitzen zehnmal so viele psychisch kranke Menschen in Gefängnissen wie in Spitälern. Neben den menschlichen Dramen bedeutet das auch hohe Kosten für den Staat.

von
pwe
Keystone/AP/Rich Pedroncelli

2007 sass Mark Kuzara in einem Gefängnis in Florida. Dort musste man seinen Bauch zusammenheften, nachdem er ihn sich selber aufgeschnitten hatte. Kuzara nahm dann die Heftklammern aus der Wunde und ass sie. In die neue alte Wunde tat er Gegenstände wie Kugelschreiberdeckel oder Papierstücke, die ihm Mitgefangene gegeben hatten. Auch brachte er sich selber zum Erbrechen und entleerte seinen Mageninhalt in die Bauchwunde.

Diese und etliche weitere Geschichten menschlichen Elends finden sich in einem Bericht des «Treatment Advocacy Center» (TAC) über die Situation von psychisch und geistig Kranken in US-amerikanischen Gefängnissen, den das Magazin «Mother Jones» publik machte. Nach diesem Bericht sind die USA «vollständig ins Modell des 18. Jahrhunderts zurückgekehrt, bei dem psychisch und geistig Kranke eingekerkert werden, statt sie zu behandeln».

Kranke kosten viel mehr

Insgesamt sitzen rund 356'000 solche Menschen in amerikanischen Gefängnissen, dies sind rund zehnmal so viele wie in Spitälern. Dies führt zu unmenschlichen Situationen, wie Kuzaras Geschichte zeigt. Ein Gefängniswärter beschreibt im TAC-Bericht, wie hörbar das werden kann: «Sie heulen die ganze Nacht. Wenn du nicht daran gewöhnt bist, wirst du selber wahnsinnig.»

«Mother Jones» rechnet vor, dass diese Praxis auch ausgesprochen teuer ist. Im Staat Washington zum Beispiel kostet ein Kranker im Gefängnis im Schnitt 100'000 Dollar pro Jahr – ein Gesunder 30'000. Das liegt daran, dass psychisch und geistig Kranke meist länger einsitzen, weil niemand für sie bürgt. Ausserdem werden sie häufiger zu Wiederholungstätern.

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