Hart auf hart: Psychoduell vor dem Cup-Knaller
Aktualisiert

Hart auf hartPsychoduell vor dem Cup-Knaller

Vor dem Cup-Final YB gegen Sion liegen die Nerven blank. Sion-Boss Constantin wittert eine Verschwörung. YB-Coach Petkovic schiesst scharf zurück.

von
Sandro Compagno

Wenn es hart auf hart geht, dann ist Christian Constantin im Element. Der streitlustige Sion-Präsident lässt kaum eine Gelegenheit aus, Öl ins Cup-Feuer zu giessen. Erst lamentierte er lauthals über die synthetische Unterlage im Stade de Suisse, die YB zum Vorteil gereiche. Dann nahm er Schiedsrichter Claudio Circhetta ins Visier. «Wir haben Schiss vor ihm», sagte CC am Sonntag gegenüber

20 minutes und rechnete vor, dass sein FC Sion in acht ­Super-League-Spielen unter der Leitung des Baselbieter Unparteiischen noch nie gewonnen hat.

Doch die prophylaktische Schelte via Medien war noch nicht alles: Constantins Anwalt sandte einen Fax an den Schweizerischen Fussball-Verband, der von Circhetta eine schriftliche Erklärung verlangte, er werde den 84. Cup-Final «unabhängig und unparteiisch» leiten. Eine neue Dimension der Schiedsrichter-Beeinflussung!

YB-Trainer Vladimir Petkovic hat alle Hände voll zu tun, seine Spieler auf das heutige Spiel zu fokussieren. Gestern gab es ein «Silenzio stampa», dazu eine giftige Ansage in Richtung Constantin: «Ich habe vergessen, wer Präsident von Sion ist.»

Auch auf Ebene der Spieler wird im Vorfeld mit Worten gefochten. Sions Arnaud Bühler setzt auf die Cup-Tradition der Walliser mit zehn Siegen in zehn Finals: «Diese Bilanz sagt doch alles.» YB-Verteidiger Marc Schneider relativiert: «Sion ist eine reine Söldner-Truppe, die nicht viel mit der Cup-Tradition des Vereins gemeinsam hat.» Das Cup-Fieber steigt.

1980, 1991, 2006, 2009? Sion-Mythos und YB-Fluch

Wer «Schweizer Cup» sagt, der sagt «FC Sion». Zehnmal standen die Sittener in ihrer Vereinsgeschichte im Cup-Final, zehnmal kehrten sie mit der Trophäe ins Wallis zurück. Dreimal bezwangen sie im Cup-Final auch die Young Boys: 1980, 1991 und 2006.

1991 kam es zu einer sensationellen Aufholjagd: Die zur Pause eingewechselten Teenager Alexandre Rey (18) und David Orlando (19) drehten einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg für Sion.

Denkwürdig war auch der Final 2006: Die Walliser, damals in der Challenge League, bezwangen YB im Penaltyschiessen. Den entscheidenden Elfmeter verwertete Alberto Regazzoni, der ein Jahr später die Seiten wechselte. Sion-Präsident Constantin war damals auf den Berner Plastik hinabgestiegen und hatte seine Spieler vor dem Penaltyschiessen heiss gemacht. Seit dem letzten Cup-Erfolg 1987 wartet YB auf ­einen Titel. Können die Berner heute Abend im mit 31 000 Fans ausverkauften Stade de Suisse ihren Fluch endlich besiegen?

Gehen Sie auch zum Cup-Final? Senden Sie uns Ihre besten Party­bilder per MMS an 2020.

Deine Meinung