Ausgerechnet: Psychologen-Sohn verprügelt Taxifahrer
Aktualisiert

AusgerechnetPsychologen-Sohn verprügelt Taxifahrer

Ausgerechnet der Sohn des Jugendgewalt-Experten Allan Guggenbühl ist wegen Körperverletzung verurteilt worden. Er hatte einen Taxifahrer attackiert.

von
Attila Szenogrady

Zum Schluss war das Gericht der Anklage gefolgt. Demnach hatte der heute 23-jährige Sohn des bekannten Jugendpsychologen Allan Guggenbühl in der Nacht auf den 22. Dezember 2006 mitten in Zürich einen brutalen Gewaltakt verübt. Der damals jugendliche Beschuldigte ging mit einem heute 27-jährigen Komplizen an der Börsenstrasse auf einen Taxifahrer los.

Dabei schlug das Duo den Geschädigten zu Boden und traktierten dessen Kopf mit Fusstritten. Das heute 46-jährige Opfer musste nach dem brutalen Angriff in das Stadtspital Waid eingeliefert werden. Es hatte neben einer Hirnerschütterung eine gebrochene Schulter sowie Prellungen am Oberschenkel erlitten und musste operiert werden.

Den Spiess umgedreht

Bereits kurz nach der Attacke konnte die Polizei dank eines Augenzeugen einen ersten Angreifer festnehmen. Es handelte sich um den Sohn des bekannten Jugendpsychologen Allan Guggenbühl. Der zweite Schläger wurde erst später ausfindig gemacht. Beide jungen Männer mussten sich seit dem letzten März wegen Körperverletzung vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Ihnen drohten bedingte Geldstrafen von je 180 Tagessätzen zu 30 Franken sowie Bussen von je 300 Franken.

Beim Prozessauftakt hatte der nicht geständige Sohn Guggenbühls jegliche Aussage verweigert. Am Donnerstag verlangte sein Verteidiger einen vollen Freispruch und drehte den Spiess um. So habe der Taxihalter zunächst die beiden Angeklagten beinahe überfahren. Nachdem er einen Knall an seinem Wagen gehört habe, sei der Lenker wutentbrannt ausgestiegen und sei sogleich auf seinen Mandanten losgegangen. Dabei er habe er dem Sprössling Guggenbühls mit einem Faustschlag gegen das Gesicht das Nasenbein gebrochen. Danach hätten sich die beiden Beschuldigten nur noch zur Wehr gesetzt, plädierte der Verteidiger. Auch der Anwalt des zweiten Angeklagten setzte sich für einen vollen Freispruch ein.

Zwei Belastungszeugen: Schuldspruch

Allerdings vergebens. Das Gericht kam zu umfassenden Schuldsprüchen und verurteilte Guggenbühls Sohn zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Franken. Der zweite, arbeitslose Angeschuldigte kassierte 120 Tagessätze zu 10 Franken. Die zuständige Einzelrichterin Claudia Bühler sah den Sacherhalt als erstellt an. Einerseits wegen den glaubhaften Darstellungen des Taxihalters, der zudem mehrere Arztzeugnisse über seine erheblichen Verletzungen dem Gericht eingereicht hatte. Andererseits stützte sich Bühler auf zwei neutrale Belastungszeugen des Vorfalls ab. Ein Raumpfleger und ein weiterer Taxihalter hatten übereinstimmend ausgeführt, dass die beiden jungen Männer auf das am Boden liegende Opfer eingetreten hätten. Eine Absprache oder eine Verschwörung der Zeugen schloss die Richterin aus. Sie sprach von einem verwerflichen Verhalten der Beschuldigten, die gemeinsam vorgegangen seien und den bereits wehrlosen Geschädigten weiter traktiert hätten.

Strafsenkend warf das Gericht die extrem lange Verfahrensdauer und das Fahrverhalten des Taxihalters zugunsten der Angeklagten in die Waagschale. Sie wurden verpflichtet, dem Geschädigten neben einem grundsätzlichen Schadenersatz solidarisch ein Schmerzensgeld von 2000 Franken zu bezahlen. Zudem gemeinsam eine Prozessentschädigung von 6000 Franken.

Bereits Berufung eingelegt

Die Verteidiger legten noch vor den Schranken Berufung gegen die Urteile ein. Der Anwalt des beschuldigten Sohnes von Guggenbühl hatte argumentiert, dass sein Mandant zur Tatzeit an einer schweren Knieverletzung gelitten habe und deswegen irgendwelche Tritte ausgeschlossen seien.

Dem widersprach die Richterin, indem sie ausführte, dass der Angeklagte nach dem Vorfall vom Tatort weggerannt sei. Was auf intakte Beine hinweise. Zudem sei der angebliche Nasenbeinbruch von der Polizei gar nicht rapportiert worden, sagte Bühler. Doch selbst bei einer Verletzung des Angeklagten wäre es aufgrund seines Vorgehens zu einem Schuldspruch gekommen, stellte Bühler klar.

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