Larissa Maier : Psychologin macht mit 25 ihren Doktortitel
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Larissa Maier Psychologin macht mit 25 ihren Doktortitel

Während andere noch studieren, hat Larissa Maier schon ihren Doktortitel. Die 26-Jährige forscht über Hirndoping – und schreckt vor Selbstversuchen nicht zurück.

von
som
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Larissa Maier an ihrem Arbeitsplatz. Sie ist erst 26 und hat schon einen Doktortitel.

Larissa Maier an ihrem Arbeitsplatz. Sie ist erst 26 und hat schon einen Doktortitel.

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Viele sind erst zehn Jahre später so weit.

Viele sind erst zehn Jahre später so weit.

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Auf ihrem Bürotisch liegen Notizen, auf ein Blatt hat sie von Hand fein säuberlich die Aufgaben der nächsten Wochen aufgeschrieben. «Darauf sehe ich auch, was ich alles erledigt habe – ein gutes Gefühl», sagt Larissa Maier.

Offensichtlich geht sie dabei so schnell vor, wie sie im Interview mit 20 Minuten spricht. Denn Maier hat mit ihren 26 Jahren so viel gemacht wie andere mit 35: Aufgewachsen im Zürcher Oberland wurde sie schon ein Jahr früher eingeschult und hat sich schon als Kind Psychologiebücher statt Spielsachen zu Weihnachten gewünscht. Mit 18 begann sie ihr Studium in diesem Fach, mit 23 hatte sie ihren Abschluss mit der Note 5,7 im Sack. «Eigentlich wollte ich anschliessend eine Psychotherapieausbildung absolvieren, weil ich gerne Menschen helfe.»

Doktortitel nach 2,5 Jahren

Da sie aber eine Masterarbeit über die Prävention von Partydrogen schrieb, kam alles anders. Ihr Betreuer fragte sie, ob sie bei ihm am Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) in Zürich eine Doktorarbeit zum Thema Hirndoping schreiben wolle. «Das klang neu und spannend», so Maier, die als Erste in ihrer Familie eine akademische Laufbahn eingeschlagen hat.

Normalerweise dauert es drei Jahre oder mehr, bis sich jemand Frau oder Herr Doktor nennen kann. Maier hatte den Titel aber schon nach zweieinhalb Jahren mit Auszeichnung erhalten – im März 2015, zwei Monate vor ihrem 26. Geburtstag, wie «NZZ Campus» schreibt. Dabei half ihr, dass sie die Daten relativ schnell gesammelt hatte, sagt sie. «Zudem wollte ich den Sommer geniessen, also habe ich Gas gegeben.»

Erfahrungen mit Ritalin

In ihrer Arbeit hat sie unter anderem herausgefunden, dass an den Universitäten Zürich, Basel und an der ETH fast ein Siebtel der Studierenden schon einmal rezeptpflichtige Medikamente, Alkohol oder illegale Drogen genommen hat, um besser lernen zu können. Überrascht habe sie das jedoch nicht besonders: «Heute ermöglichen die sozialen Medien den ständigen Vergleich mit anderen, wodurch der Druck, in der Ausbildung oder anderen Lebensbereichen erfolgreich zu sein, zugenommen hat.»

Auch Maier experimentierte einmal mit Ritalin: «Das war eine Woche vor einer Prüfung zu Beginn meines Studiums, weil ich hoffte, so unter Zeitdruck besser lernen zu können.» Sie bestand knapp: «Ob das Ritalin geholfen oder geschadet hat, weiss ich nicht.» Spätestens nach ihrer Doktorarbeit ist für sie klar, dass dieses rezeptpflichtige Medikament nicht schlauer macht: «Vielleicht kann man sich kurzfristig besser konzentrieren oder ist motivierter, dafür werden aber andere Fähigkeiten wie das vernetzte Denken beeinträchtigt.» Also ist es kein Wundermittel zum Lernen. «Das gibt es sowieso nicht», so Maier.

Wissenschaft und das Zürcher Nachtleben

Ihr Erfolgsrezept ist viel mehr eine gute Organisation und Spass am intensiven Arbeiten: «Ich interessiere mich einfach für vieles, und ja, manchmal bin ich etwas zu ehrgeizig.» Trotzdem seien ihr ihre Familie, Freunde und Hobbys genau so wichtig: «Ich liebe das Zürcher Nachtleben und gehe oft an Festivals.»

Auch spielt sie gewöhnlich zweimal pro Woche Volleyball: «Während meiner Zeit als Doktorandin habe ich nur ein Spiel verpasst.» Für die nächsten Monate hat sie das Training aber auf Eis gelegt, denn von August bis Januar geht sie auf Weltreise: «Meine erste längere Auszeit im Leben.»

«Noch niemanden gefunden, der mit mir mithalten kann»

Danach wird sie erst mal weiter am ISGF forschen, wo sie eine feste Stelle hat. Eine längerfristige Karriereplanung sei nicht so ihr Ding: «Natürlich wäre es das Tüpfelchen auf dem i, später mal Professorin zu werden.» Aber die Ausbildung zur Therapeutin reize sie auch: «Mit psychisch kranken Straftätern oder Suchtpatienten zu arbeiten,wäre interessant.»

Gehört zu ihrem intensiven Leben auch ein Freund? Meier schmunzelt und sagt: «Wenn diese Information unbedingt in den Artikel muss, dann kann man darauf verweisen, dass ich bisher noch niemanden gefunden habe, der mit mir mithalten kann.»

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