Aktualisiert 04.02.2004 22:38

Psychotests für Anleger: Absicherung für Banken

Mit Psychotests versuchen Banken, das Risikoprofil ihrer Anlage-Kunden zu bestimmen. Experten halten dieses Vorgehen für fragwürdig.

«Ich lebe nach dem Motto ‹Wer wagt, gewinnt!›» oder «Börsengewinne sind für mich etwas Unmoralisches»: Rund 20 solche und ähnliche Aussagen sollen Kleinanleger mit Ja, Nein oder einer Aussage dazwischen quittieren. Erklärtes Ziel der Banken ist es, die Risikobereitschaft ihrer Kunden zu erkunden, um sie angemessen zu beraten. Markus Graf, Leiter Fonds-Research beim Vermögenszentrum, findet klare Worte: «Manche dieser Fragen sind völlig überflüssig und sinnlos.» Gleicher Meinung ist Emanuel Scheriau, Leiter Banken von Comparis.ch

Viele Angaben zur Entstehung der Tests machen die Banken nicht: Diese basierten auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, würden laufend angepasst und von Experten ausgewertet.

Klartext spricht man nur bei der Bündner Kantonalbank: «Seien wir ehrlich: Seit dem letzten Börsencrash sind wir vorsichtig geworden», so Thomas Roth, Mitglied der Geschäftsleitung. Will heissen: Die Banken benützen Psychotests, um sich abzusichern, falls ihre Kunden an der Börse Verluste erleiden. Wer den Test nicht machen will und sich auch sonst als beratungsresistent erweist, wird gezwungen, eine Verzichtserklärung zu unterzeichnen.

Franco Tonozzi

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